Wucher - Was ist das?

Wucher ist, wenn jemand die Notlage oder Schwäche eines anderen ausnutzt, um für eine Leistung weit mehr zu verlangen, als sie wert ist. Ein hoher Preis allein reicht dafür nicht. In Deutschland ist ein wucherisches Geschäft nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch nichtig und kann nach dem Strafgesetzbuch mit bis zu drei Jahren Gefängnis bestraft werden. Ein auffälliges Missverhältnis liegt meist vor, wenn der Preis doppelt so hoch ist wie der Wert, bei Mieten schon ab 50 Prozent über der ortsüblichen Miete.
Wucher ist, wenn jemand für eine Leistung einen weit überhöhten Preis verlangt und dabei eine Schwäche des anderen ausnutzt. Das kann eine Notlage sein, fehlende Erfahrung oder mangelndes Urteilsvermögen. Beides muss zusammenkommen. Ein Preis, der nur sehr hoch ist, ist deshalb noch kein Wucher.
Ein Beispiel ist ein Vermieter, der in einer Stadt mit großer Wohnungsnot eine Wohnung weit über der üblichen Miete vermietet, weil der Mieter dringend eine Bleibe braucht. In Deutschland ist Wucher verboten. Ein wucherisches Geschäft ist unwirksam, und wer Wucher treibt, kann sich strafbar machen.
Was das Gesetz unter Wucher versteht
Zwei Voraussetzungen müssen erfüllt sein. Zum einen müssen Leistung und Gegenleistung in einem "auffälligen Missverhältnis" stehen. Zum anderen muss der Wucherer eine Schwäche des anderen ausbeuten. Das Gesetz nennt vier solche Schwächen.
- die Zwangslage, also eine Notlage
- die Unerfahrenheit
- den Mangel an Urteilsvermögen
- eine erhebliche Willensschwäche
Wann ein Missverhältnis auffällig ist, entscheiden die Gerichte im Einzelfall. Meist nehmen sie es an, wenn die Gegenleistung mehr als doppelt so viel wert ist wie die Leistung. Maßgeblich ist der Marktwert zu dem Zeitpunkt, an dem das Geschäft geschlossen wurde.
Ein hoher Preis allein ist erlaubt, denn im Grundsatz darf jeder seine Preise selbst festlegen. Wucher liegt erst vor, wenn der Preis auffällig überhöht ist und zugleich die Zwangslage, die Unerfahrenheit oder eine andere Schwäche des Käufers ausgenutzt wird.
Welche Folgen Wucher hat
Im Zivilrecht regelt das Bürgerliche Gesetzbuch den Wucher. Nach Paragraf 138 ist ein wucherisches Geschäft nichtig, also von Anfang an unwirksam. Es ist ein besonderer Fall des sittenwidrigen Geschäfts.
Im Strafrecht ist Wucher nach Paragraf 291 des Strafgesetzbuchs strafbar, und zwar bei Wohnungsmieten, bei Krediten, bei sonstigen Leistungen und bei der Vermittlung solcher Geschäfte. Es drohen eine Geldstrafe oder bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe. In besonders schweren Fällen sind es sechs Monate bis zehn Jahre, etwa wenn der Täter den anderen dadurch in wirtschaftliche Not bringt oder gewerbsmäßig handelt.
| Art | Wann meist ein auffälliges Missverhältnis vorliegt |
|---|---|
| Wucher allgemein | Gegenleistung mehr als doppelt so viel wert wie die Leistung |
| Mietwucher bei Wohnungen | Miete mehr als 50 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete |
| Mietpreisüberhöhung | Miete mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Miete bei knappem Angebot, eine Ordnungswidrigkeit |
Mietwucher
Bei Wohnungen ist der Wucher besonders wichtig. Mietwucher liegt in der Regel vor, wenn die Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als 50 Prozent übersteigt und der Vermieter eine Zwangslage des Mieters ausnutzt. Schon unterhalb dieser Grenze kann eine Miete verboten sein. Nach dem Wirtschaftsstrafgesetz ist es eine Ordnungswidrigkeit, wenn ein Vermieter ein geringes Angebot an Wohnungen ausnutzt und mehr als 20 Prozent über der ortsüblichen Miete verlangt.
Liegt Mietwucher vor, ist die Vereinbarung über die Miethöhe unwirksam. Der Mietvertrag selbst bleibt aber bestehen, und zu viel gezahlte Miete kann der Mieter zurückfordern.
Vom Zinsverbot zum Wucherverbot
Lange Zeit meinte Wucher nur überhöhte Zinsen. Schon das Alte Testament verbietet, Zinsen zu nehmen. Die Kirche hat 325 auf dem Konzil von Nicäa ein Zinsverbot für Geistliche beschlossen, und Papst Leo der Große hat es 443 auf alle Gläubigen ausgeweitet. Ab dem 16. Jahrhundert wurde das Verbot immer öfter umgangen, und weltliche Herrscher legten stattdessen Höchstzinsen fest.
Weil Juden im Mittelalter kein Land besitzen und keiner Zunft angehören durften, wurden sie in den Handel und das Geldgeschäft gedrängt. Daraus entstand das Bild vom jüdischen Wucherer, ein bis heute wirksames Klischee des Antisemitismus. Eine bekannte Figur dieses Klischees ist Shylock in Shakespeares "Kaufmann von Venedig".
Woher das Wort kommt
Das Wort Wucher geht auf das althochdeutsche "wuohhar" zurück. Es bedeutete ursprünglich nichts Schlechtes, sondern Frucht, Ernte, Ertrag und Gewinn. Erst im Mittelhochdeutschen kam die Bedeutung übermäßiger und unerlaubter Zinsen hinzu.
Was gehört zum Wucher außer einem überhöhten Preis?
Was passiert nach dem BGB mit einem wucherischen Geschäft?
Ab wann liegt bei einer Wohnungsmiete meist Mietwucher vor?
Welche Strafe sieht das Strafgesetzbuch für Wucher im Grundfall vor?
Was bedeutete das Wort Wucher ursprünglich?
Quellen 5
- Bürgerliches Gesetzbuch, § 138 Sittenwidriges Rechtsgeschäft, Wucher · abgerufen 28.09.2026
- Wirtschaftsstrafgesetz 1954, § 5 Mietpreisüberhöhung · abgerufen 29.09.2026
- Strafgesetzbuch, § 291 Wucher · abgerufen 28.09.2026
- Wikipedia, Wucher · abgerufen 28.09.2026
- Wikipedia, Mietwucher · abgerufen 28.09.2026
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quickpedia.de: "Wucher: Was er ist, wann ein Preis wucherisch ist und was dann gilt". Stand: 02.10.2026. Online unter: https://quickpedia.de/wirtschaft/wucher (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 2. Oktober). Wucher: Was er ist, wann ein Preis wucherisch ist und was dann gilt. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/wirtschaft/wucher
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Danke, wir sehen uns das an.