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Tulpenmanie - Was war die Tulpenspekulation?

Eine geschlossene dunkelviolette Tulpenknospe mit Regentropfen vor unscharfem grauem Hintergrund, rechts eine zweite Knospe
Anfang Februar 1637 ist der Markt für Tulpenzwiebeln plötzlich zusammengebrochen (Symbolfoto: Duy Cuong / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Die Tulpenmanie war eine Spekulation mit Tulpenzwiebeln in den Niederlanden in den 1630er-Jahren. Die Preise für seltene Sorten stiegen auf ein extremes Niveau, bevor der Markt Anfang Februar 1637 plötzlich zusammenbrach. Sie gilt als die erste verhältnismäßig gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte. Neuere Forschung zeigt allerdings, dass nur ein kleiner Kreis wohlhabender Kaufleute beteiligt war und kaum jemand ruiniert wurde.

Die Tulpenmanie war eine Spekulation mit Tulpenzwiebeln in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts. In den 1630er-Jahren stiegen die Preise für seltene Tulpensorten auf ein extrem hohes Niveau. Anfang Februar 1637 ist der Markt dann plötzlich zusammengebrochen. Die Tulpenmanie gilt als die erste verhältnismäßig gut dokumentierte Spekulationsblase der Wirtschaftsgeschichte.

Bis heute dient sie als Warnung vor irrationalen Geldanlagen. Allerdings ist die bekannte Geschichte vom Tulpenwahn, der ganz Holland erfasst und ruiniert haben soll, stark übertrieben.

Warum Tulpen so wertvoll waren

Die meisten wilden Tulpenarten wachsen im südöstlichen Mittelmeerraum. Um 1555 bis 1560 gelangten sie aus dem Osmanischen Reich nach Wien. Der flämische Botaniker Carolus Clusius hat sie dort ab 1574 in großem Stil gezogen und nach 1593 als Professor in Leiden gepflegt. In den Niederlanden wurden sie zum Liebhaberstück wohlhabender Bürger, Gelehrter und Adliger.

Tulpen galten als neu, exotisch und exklusiv. Besonders begehrt waren Sorten mit geflammten, gestreiften oder gesprenkelten Blütenblättern. Weil sich Tulpen nur langsam vermehren lassen, blieben seltene Sorten knapp. Aus Samen dauert es sieben bis zehn Jahre, bis eine Tulpe blüht, und über Tochterzwiebeln wächst der Bestand nur langsam.

Die teuersten Tulpen waren krank

Die begehrten Streifen und Flammen auf den Blüten entstanden durch ein Virus, das Tulpenmosaikvirus. Blattläuse übertragen es, und über infizierte Tochterzwiebeln wird es weitergegeben. Deshalb war kaum vorherzusagen, welche Zwiebel eine gemusterte Blüte hervorbringen würde. Die berühmteste dieser Sorten, die Semper Augustus, gibt es heute nicht mehr, weil Züchter befallene Pflanzen vernichten.

Wie die Spekulation ablief

Ab der Mitte der 1630er-Jahre stiegen die Preise für Tulpen deutlich stärker als für andere Waren. Spätestens um 1634 kamen Spekulanten auf den Markt. Sie kauften Tulpen nicht mehr für den eigenen Garten, sondern um sie bei steigenden Preisen mit Gewinn weiterzuverkaufen.

Gehandelt wurde auch mit Zwiebeln, die noch in der Erde steckten und erst nach der Blüte ausgegraben werden konnten. Die Händler schlossen dafür Verträge über künftige Lieferungen, oft nur auf Papierstreifen festgehalten. Man traf sich nicht an einer Börse, sondern in Gasthäusern. Am 3. Februar 1637 erreichten die Preise bei einer Versteigerung in Alkmaar ihren Höhepunkt. Kurz darauf brach der Markt zusammen.

Wie teuer die Zwiebeln genau waren, lässt sich schwer sagen. Die meisten überlieferten Preise stammen aus einer anonymen Satire, die kurz nach dem Absturz erschien. Selbst gleiche Sorten wechselten am selben Tag zu sehr unterschiedlichen Preisen den Besitzer.

Belastbarer sind Kaufverträge, die vor einem Notar geschlossen wurden. Der Wirtschaftswissenschaftler Peter Garber hat sie zusammen mit anderen überlieferten Preisen gesammelt. Am deutlichsten zeigt sich der Verlauf bei einer gewöhnlichen Sorte namens Switsers, die nicht einzeln, sondern pfundweise gehandelt wurde. Mitte Januar 1637 wurde ein Pfund dieser Zwiebeln in Haarlem für 120 Gulden verkauft. Am 23. Januar waren es schon 385 Gulden. Am 3. Februar wurden in Amsterdam für vier Pfund 6.000 Gulden vereinbart, also 1.500 Gulden je Pfund. Drei Tage später kostete ein Pfund nur noch rund 1.100 Gulden.

Liniendiagramm: Preis der Tulpensorte Switsers laut notariellen Verträgen. Am 15. Januar 1637 kostete ein Pfund umgerechnet 126 Gulden, am 3. Februar 1.500 Gulden, fast zwölfmal so viel. Am 6. und 9. Februar waren es noch rund 1.100 Gulden. Danach gibt es bis Mai keine Daten. Zwei Preise aus einer zeitgenössischen Flugschrift, 60 Gulden Anfang Januar und 1.800 Gulden am 5. Februar, sind weniger verlässlich. Ihr Datum hat Garber angenommen, weil die Flugschrift keines nennt.

Seltene Sorten wurden einzeln verkauft, und ihre Preise waren schon lange vorher hoch. Für die Sorte Semper Augustus stieg der überlieferte Preis von 1.000 Gulden im Jahr 1623 auf 2.000 Gulden im Jahr 1625. Auf dem Höhepunkt 1637 soll eine Zwiebel dieser Sorte 5.500 Gulden gekostet haben. Bei der Versteigerung in Alkmaar brachte eine einzelne Zwiebel der Sorte Viceroy 4.203 Gulden. Nach dem Absturz fielen auch die Preise der seltenen Sorten, aber nicht ins Bodenlose. Eine Zwiebel der Sorte Admirael van der Eyck, die im Februar 1637 rund 1.345 Gulden gekostet hatte, war 1642 oder 1643 noch rund 220 Gulden wert.

1.000 Guldenfür eine Zwiebel der Sorte Semper Augustus, laut einem Bericht von 1623
mehr als 10Jahreseinkommen eines Handwerkers brachten einzelne Zwiebeln im Februar 1637
rund 10.000 Guldenkosteten zum Vergleich die teuersten Häuser an einer Amsterdamer Gracht

Was eine Tulpenzwiebel kosten konnte

Was 1.000 Gulden damals wert waren

In Euro umrechnen lässt sich ein Gulden aus dem 17. Jahrhundert nicht seriös. Das Internationale Institut für Sozialgeschichte in Amsterdam hat seinen Umrechner dafür sogar eingestellt, weil er ein zu einfaches Bild vermittelte. Aussagekräftiger ist der Vergleich mit Löhnen und Preisen der Zeit.

Ein gelernter Handwerker verdiente damals rund 300 Gulden im Jahr. Für 1.000 Gulden musste er also mehr als drei Jahre arbeiten. Ein Pfund Switsers kostete am 3. Februar 1637 so viel, wie er in fünf Jahren verdiente. Rembrandt bekam für sein berühmtes Gemälde "Die Nachtwache" 1642 insgesamt 1.600 Gulden. Sein großes Haus in Amsterdam kaufte er 1639 für 13.000 Gulden.

Was man für den Preis einer teuren Zwiebel sonst bekam, rechnete eine Flugschrift aus der Zeit vor. Sie listet Waren im Wert von zusammen 2.500 Gulden auf. Last, Oxhoft und Tonne sind alte Maße für große Mengen.

WarePreis
2 Last Weizen448 Gulden
4 Last Roggen558 Gulden
4 gemästete Ochsen480 Gulden
8 gemästete Schweine240 Gulden
12 gemästete Schafe120 Gulden
2 Oxhoft Wein70 Gulden
4 Tonnen Bier32 Gulden
2 Tonnen Butter192 Gulden
1.000 Pfund Käse120 Gulden
1 Bett mit Zubehör100 Gulden
1 Stapel Kleidung80 Gulden
1 silberner Becher60 Gulden
zusammen2.500 Gulden

Ein Ochse kostete demnach 120 Gulden, ein Schwein 30 und ein Schaf 10 Gulden. Später wurde aus dieser Liste die Geschichte, jemand habe all diese Waren tatsächlich für eine einzige Zwiebel der Sorte Viceroy hergegeben. Ein solcher Tausch ist aber nirgends belegt. Die Flugschrift wollte nur zeigen, wie viel Geld für eine Blume gezahlt wurde.

Die Legende und was dran ist

Das Bild vom Tulpenwahn geht vor allem auf ein Buch zurück, das der schottische Journalist Charles Mackay 1841 veröffentlicht hat. Er beschrieb die Tulpenmanie als Beispiel für irrationales Massenverhalten, das alle Schichten der Bevölkerung erfasst habe. Von ihm stammen auch Anekdoten, die bis heute erzählt werden, etwa von einem Mann, der versehentlich eine kostbare Tulpenzwiebel für eine Gemüsezwiebel hielt und sie aß.

Irrtum: Die Tulpenmanie hat halb Holland ruiniert

Die Historikerin Anne Goldgar hat 2007 alte Verträge ausgewertet. Danach war am Tulpenhandel nur ein recht kleiner Kreis beteiligt, vor allem wohlhabende Kaufleute und Handwerker. Unter den bekannten Käufern und Verkäufern fand sie weniger als ein halbes Dutzend, die in dieser Zeit in Geldnot gerieten, und selbst bei ihnen ist nicht klar, ob die Tulpen schuld waren. Viele spätere Berichte beruhen laut Goldgar auf wenigen Propagandaschriften und viel Abgeschriebenem.

Einen tiefen Eindruck hat die Tulpenmanie trotzdem hinterlassen. Auch wenn die Krise nur wenige finanziell traf, war der Schock laut Goldgar groß, weil ein ganzes Gefüge von Werten ins Wanken geriet. Spätestens seit Mackay steht die Tulpe bis heute für die Gefahr, dass Menschen einer Mode hinterherlaufen und dabei den Wert aus den Augen verlieren.

Was hast Du gelernt?
  1. Wann brach der Tulpenmarkt in den Niederlanden zusammen?

  2. Wodurch entstanden die begehrten Streifen auf den Blüten?

  3. Wie viel brachten einzelne Zwiebeln auf dem Höhepunkt im Februar 1637?

  4. Wie viel verdiente ein gelernter Handwerker damals ungefähr im Jahr?

  5. Wer machte die Tulpenmanie im 19. Jahrhundert als Massenwahn bekannt?

  6. Was fand die Historikerin Anne Goldgar heraus?

Quellen 7
  1. Wikipedia, Tulpenmanie · abgerufen 28.09.2026
  2. Wikipedia (englisch), Tulip mania · abgerufen 29.09.2026
  3. Garber P. M., Famous First Bubbles. The Fundamentals of Early Manias, MIT Press 2000, Tabellen 9.1 und A2.1, Warenliste der Flugschrift S. 82 · Stand 01.01.2000, abgerufen 03.10.2026
  4. Wikipedia (englisch), The Night Watch (Honorar für Rembrandt) · abgerufen 03.10.2026
  5. Wikipedia (englisch), Rembrandt House Museum (Kaufpreis 1639) · abgerufen 03.10.2026
  6. Internationaal Instituut voor Sociale Geschiedenis (IISG), Value of the guilder versus euro (Umrechner eingestellt) · abgerufen 03.10.2026
  7. Garber P. M., Famous First Bubbles, Journal of Economic Perspectives 1990, Band 4, Heft 2, S. 35-54 · Stand 01.01.1990, abgerufen 03.10.2026
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Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 3. Oktober). Tulpenmanie: Die Tulpenspekulation in den Niederlanden 1637. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/wirtschaft/tulpenmanie

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