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Alfred Nyssen - Der Industriellensohn aus Babylon Berlin

Lars Eidinger im dunklen Mantel über einem hellgrünen Rüschenhemd auf einem roten Teppich, hinter ihm unscharf Fotografen
Lars Eidinger 2019 bei der Berlinale. In "Babylon Berlin" verkörpert er Alfred Nyssen (Foto: Denis Makarenko / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Alfred Nyssen ist eine Figur aus der Serie Babylon Berlin, gespielt von Lars Eidinger: Erbe eines Stahlkonzerns, der im Schatten seiner Mutter steht und Geld und Einfluss den Feinden der Republik zur Verfügung stellt. Als historisches Vorbild gilt der Industrielle Fritz Thyssen, der Hitler früh unterstützt hat und am Ende selbst im Konzentrationslager saß.

Alfred Nyssen ist eine Figur aus der Fernsehserie "Babylon Berlin", gespielt von Lars Eidinger seit der ersten Staffel von 2017. Er ist der einzige Sohn einer Stahldynastie, und er bringt sein Vermögen in die Nähe derer, die die junge Republik beseitigen wollen.

Die Serie spielt im Berlin der späten zwanziger Jahre und beruht auf den Gereon-Rath-Romanen von Volker Kutscher, entfernt sich aber mit jeder Staffel weiter von ihnen. Nyssen gehört zu den Figuren, die nicht ermitteln und nicht ermittelt werden, sondern die Verhältnisse verkörpern, in denen ermittelt wird.

Die Figur und ihre Fesseln

Die Konstellation ist schnell erzählt und doch der Kern der Figur. Nyssen ist der Erbe, aber er führt nicht. Das Unternehmen leitet seine Mutter Anne-Marie, und sie hält ihn kurz: Erst betreut er die Finanzen, später schiebt sie ihn auf die Leitung der Familienstiftung ab.

Wer so ausgestattet und zugleich so wenig ernst genommen wird, sucht sich ein Feld, auf dem er zählt. Nyssen findet es in der Politik der Gegner der Republik. Er sympathisiert mit der Schwarzen Reichswehr und stützt Kräfte, die die Verhältnisse von vor 1918 zurückwollen, notfalls mit Gewalt. In der ersten Staffel organisiert er einen illegalen Giftgastransport für diese Leute und wird verhaftet. In der dritten sagt er die Wirtschaftskrise voraus und verdient an der Spekulation, während andere ruiniert werden.

Was die Schwarze Reichswehr war

Der Begriff steht nicht für eine Erfindung der Drehbuchautoren. Nach dem Ersten Weltkrieg durfte Deutschland nur noch ein Heer von 100.000 Mann unterhalten, Panzer, U-Boote und Flugzeuge waren verboten.

Um diese Vorgaben zu unterlaufen, entstanden bewaffnete Verbände neben der offiziellen Armee, die von ihr illegal mit Waffen und Ausrüstung versorgt wurden. Diese Verbände hießen Schwarze Reichswehr.

Sie waren nicht nur illegal, sondern auch republikfeindlich. 1923 versuchten Teile von ihnen mit dem Küstriner Putsch, die Reichsregierung zu stürzen. Die Führung der regulären Reichswehr wiederum stammte aus der Kaiserzeit und stand der Republik überwiegend ablehnend gegenüber. Linke Aufstände schlug sie nieder, beim rechten Kapp-Putsch blieb sie untätig, und dem Generaloberst Hans von Seeckt wird der Satz zugeschrieben, Reichswehr schieße nicht auf Reichswehr.

Genau in dieses Zwischenreich aus Geld, Waffen und Duldung stellt die Serie ihre Figur.

Das Vorbild: Fritz Thyssen

Als historisches Vorbild gilt Fritz Thyssen, und schon der Name der Figur macht daraus kaum ein Geheimnis. Thyssens Lebenslauf zeigt, wohin die Verbindung von Industrie und Republikfeindschaft geführt hat, und auch, dass sie ihre Unterstützer nicht verschont hat.

Fritz Thyssen, 1873 bis 1951

  • 1923Er tritt in Verbindung zu Adolf Hitler und unterstützt dessen Partei finanziell.
  • 1926Er erbt das Stahlimperium seines Vaters.
  • 1928Er wird Aufsichtsratsvorsitzender der Vereinigte Stahlwerke AG.
  • 1. Mai 1931Er tritt der NSDAP bei.
  • 27. Januar 1932Er verschafft Hitler den Auftritt vor führenden Wirtschaftsvertretern im Düsseldorfer Industrie-Club.
  • November 1932Er unterzeichnet die Eingabe, Hitler zum Reichskanzler zu ernennen.
  • 1939Nach dem Hitler-Stalin-Pakt verlässt er Deutschland.
  • 1940Die Vichy-Regierung verhaftet ihn und liefert ihn aus. Es folgen Jahre in den Konzentrationslagern Sachsenhausen, Buchenwald und Dachau.
  • 1951Er stirbt in Buenos Aires.

Die Serienfigur ist keine Nachzeichnung dieses Lebens. Sie nimmt daraus die Konstellation: ein Erbe, der über Mittel verfügt, die er nicht erarbeitet hat, und der sie Kräften zur Verfügung stellt, deren Ziele er für die seinen hält.

Wofür die Figur steht

In einer Serie über eine Demokratie, die untergeht, braucht es jemanden, der zeigt, wie das Geld dabei steht. Nyssen ist diese Stelle. Er ist kein Straßenkämpfer und kein Ideologe mit Programm, sondern ein Mann mit Mitteln, der sich von den Falschen ernst genommen fühlt.

Das ist der unbequeme Teil: Die Republik ist nicht nur an ihren erklärten Feinden gescheitert, sondern auch an denen, die ihr gleichgültig gegenüberstanden und ihre Gegner nützlich fanden. Wer den Unterschied zwischen Gleichgültigkeit und Mittäterschaft sucht, findet ihn bei einer Figur wie dieser schwer.

Was hast Du gelernt?
  1. Wer ist Alfred Nyssen?

  2. Was war die Schwarze Reichswehr?

  3. Was geschah mit Fritz Thyssen, dem mutmaßlichen Vorbild der Figur?

Quellen 3
  1. Deutsches Historisches Museum, Fritz Thyssen, LeMO-Biografie · abgerufen 21.09.2026
  2. Weimarer Republik e. V., Reichswehr und Militär · abgerufen 21.09.2026
  3. Bedeutung Online, Alfred Nyssen aus Babylon Berlin · abgerufen 21.09.2026
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Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 21. September). Alfred Nyssen aus Babylon Berlin - Figur und historisches Vorbild. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/unterhaltung/literatur/figur/alfred-nyssen

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