Quickpedia

Pareto-Prinzip - Was besagt die 80-20-Regel?

Zwei Holzwürfel mit den Zahlen 80 und 20, durch einen schrägen Strich getrennt, eine Hand schiebt den Würfel mit der 20 heran
Die 80/20-Regel ist die bekannteste Fassung des Pareto-Prinzips (Foto: Fida Olga / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Das Pareto-Prinzip besagt, dass ein kleiner Teil der Ursachen den größten Teil der Wirkung ausmacht, oft im Verhältnis von etwa 20 zu 80. Formuliert hat es nicht Vilfredo Pareto, sondern der Qualitätsfachmann Joseph Juran, der seinen eigenen Namensfehler später öffentlich eingeräumt hat. Die Zahlen sind ein Muster, keine Konstante.

Das Pareto-Prinzip besagt, dass ein kleiner Teil der Ursachen für den größten Teil der Wirkung sorgt. In der bekanntesten Fassung heißt das: 20 Prozent des Aufwands bringen 80 Prozent des Ergebnisses, und für die restlichen 20 Prozent des Ergebnisses braucht es die übrigen 80 Prozent des Aufwands.

Wer Ordnung in eine Aufgabe bringen will, findet damit einen Hebel. Wer die Regel für ein Naturgesetz hält, wird enttäuscht. Und wer glaubt, sie stamme von Pareto, irrt sich sogar doppelt.

Was Vilfredo Pareto wirklich untersucht hat

Vilfredo Pareto, geboren 1848 in Paris, gestorben 1923 in Genf, war ein italienischer Ökonom und Soziologe, der als einer der Ersten Mathematik auf wirtschaftliche Fragen angewendet hat. In seinem Werk "Cours d'économie politique", erschienen 1896 und 1897, hat er sich mit der Verteilung von Einkommen und Vermögen befasst.

Sein Befund: Die Verteilung folgt keiner Glockenkurve, sondern einem Potenzgesetz. Wenige besitzen viel, viele besitzen wenig, und zwar in einer mathematisch beschreibbaren Regelmäßigkeit. Ihm zugeschrieben wird die Beobachtung, dass im damaligen Italien rund 80 Prozent des Grundbesitzes auf 20 Prozent der Bevölkerung entfielen.

Damit endet Paretos Anteil. Eine allgemeine Regel über Ursachen und Wirkungen hat er daraus nie gemacht.

Der Mann, der die Regel aufgeschrieben hat, hieß Juran

Joseph M. Juran war Ingenieur und einer der einflussreichsten Köpfe des Qualitätsmanagements. Seit den 1920er Jahren fiel ihm auf, dass sich Fehler ungleich verteilen. Ordnet man eine lange Liste von Mängeln nach ihrer Häufigkeit, gehen die meisten Fälle auf wenige Ursachen zurück. Dasselbe fand er bei Fehlzeiten, bei Unfallursachen, überall.

Ende der 1940er Jahre schrieb er sein "Quality Control Handbook" und brauchte einen kurzen Namen für das Muster. Unter zwei Diagramme, eines zur Vermögens-, eines zur Fehlerverteilung, setzte er die Bildunterschrift "Pareto's principle of unequal distribution". Damit war der Name in der Welt, und mit ihm der Eindruck, Pareto habe die Verallgemeinerung geliefert.

Vor Jahren habe ich diesem Prinzip der wenigen entscheidenden und der vielen unwesentlichen Fälle den Namen "Pareto" gegeben. Auf spätere Nachfragen hin musste ich einräumen, dass ich dem Prinzip versehentlich den falschen Namen gegeben hatte. Dieses Eingeständnis hat nichts geändert.

Joseph M. Juran, 1974

In demselben Aufsatz, überschrieben mit "The Non-Pareto Principle; Mea Culpa", wird er noch deutlicher. Das Prinzip als allgemeine Regel stamme nicht von Pareto. Wo es herkomme? Soweit er wisse, sei die erste Darstellung von ihm selbst gewesen. Und wäre er anders gestrickt gewesen, hätte er es ohne Zweifel das Juran-Prinzip genannt.

Die Zahlen sind ein Muster, keine Konstante

Irrtum: 80 und 20 ergeben 100, weil sie zusammengehören

Dass sich die beiden Zahlen zu hundert addieren, ist ein Zufall der bekanntesten Fassung und verleitet zu einem Denkfehler. Es sind keine zwei Anteile desselben Ganzen, sondern Maße für zwei verschiedene Dinge: hier Ursachen, dort Wirkungen.

Deshalb sind andere Verhältnisse genauso möglich und genauso "pareto". 90 zu 10 kommt vor, 70 zu 30 ebenfalls, und bei Vermögen liegt es oft erheblich schiefer. Wer misst statt zu unterstellen, findet selten glatte 80 zu 20.

Juran hat seine eigene Formulierung übrigens später korrigiert. Aus den "wenigen entscheidenden und den vielen unwesentlichen" wurden die "wenigen entscheidenden und die vielen nützlichen", damit niemand auf den Gedanken kommt, die große Mehrheit sei wertlos.

Schema mit drei gerechneten Kurven. Auf einer davon bringen 20 Prozent der Ursachen 80 Prozent der Wirkung. Auf den beiden anderen sind es 10 Prozent der Ursachen für 90 Prozent der Wirkung und 30 Prozent der Ursachen für 70 Prozent der Wirkung. Zum Vergleich zeigt eine Diagonale die gleichmäßige Verteilung. Alle drei Kurven folgen demselben Muster, nur die Zahlen sind verschieden.

Wo die Regel trägt

Ihren Wert hat sie dort, wo man vorher misst. Ein Support-Team, das seine Anfragen nach Ursachen sortiert, findet fast immer eine Handvoll Auslöser, die den Großteil des Aufkommens erzeugt. Wer die abstellt, gewinnt mehr als mit Fleiß an allen Fronten. Genau dafür hat Juran sie gedacht, und das Werkzeug dazu, die nach Häufigkeit sortierte Säulengrafik, heißt bis heute Pareto-Diagramm.

Der Denkfehler beginnt, wo die Regel als Erwartung statt als Befund benutzt wird. Ob in einem konkreten Fall wenige Ursachen den Ausschlag geben, ist eine Frage an die Daten und keine, die sich vorab beantworten lässt.

Wo sie missbraucht wird

Die häufigste Verwendung im Büro ist zugleich die fragwürdigste: als Begründung dafür, die letzten zwanzig Prozent wegzulassen. Manchmal stimmt das. Bei einer Präsentation, die ohnehin nur zwei Minuten läuft, ist Perfektion verschwendete Zeit.

Bei einer Brücke, einer Buchhaltung oder einem medizinischen Befund sind die letzten zwanzig Prozent genau das, worauf es ankommt. Die Regel sagt etwas über Aufwand und Ertrag, nichts darüber, ob ein Ergebnis gut genug ist. Wer beides verwechselt, hat in Pareto einen Kronzeugen gefunden, der nie ausgesagt hat.

Darin ähnelt das Prinzip Murphys Gesetz, das ebenfalls den Namen eines Mannes trägt, der es so nie formuliert hat. Bei beiden hat sich der Name gegen die Tatsachen durchgesetzt.

Was hast Du gelernt?
  1. Wer hat das Pareto-Prinzip als allgemeine Regel formuliert?

  2. Warum ist es ein Denkfehler, dass 80 und 20 zusammen 100 ergeben?

  3. Wofür taugt die Regel nicht?

Quellen 3
  1. Joseph M. Juran, The Non-Pareto Principle; Mea Culpa, 1974, aus dem Archiv des Juran Institute · abgerufen 21.09.2026
  2. Pareto principle, Übersicht zur Herkunft der Regel und zu den Verhältniszahlen · abgerufen 21.09.2026
  3. Britannica, Vilfredo Pareto, italienischer Ökonom und Soziologe · abgerufen 21.09.2026
Diese Seite zitieren
Für Referat und Hausarbeit

quickpedia.de: "Pareto-Prinzip einfach erklärt - die 80-20-Regel". Stand: 21.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/sprache/faustregeln/pareto-prinzip (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 21. September). Pareto-Prinzip einfach erklärt - die 80-20-Regel. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/sprache/faustregeln/pareto-prinzip

Fehler melden / Ergänzung vorschlagen

Danke, wir sehen uns das an.

Was möchtest Du einreichen?

Hinweise zu dieser Funktion findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Artikel als PDF herunterladen