prekär - Definition, Bedeutung und Begriffserklärung

Prekär nennt man eine Lage, die heikel, unsicher und schwierig zugleich ist. Das Adjektiv steckt heute vor allem in Wendungen wie prekäre Beschäftigung - und trägt dabei noch immer seine alte Grundbedeutung in sich, das jederzeit Widerrufliche.
Bedeutung
Der Duden erklärt prekär mit schwierig, heikel und misslich. Gemeint ist eine Lage, die so verfahren ist, dass sich kaum noch richtige Entscheidungen treffen lassen und kein einfacher Ausweg in Sicht ist.
Im Kern steckt dabei immer Unsicherheit. Eine prekäre Lage ist nicht einfach nur schlecht, sie ist ungesichert. Was heute noch trägt, kann morgen wegbrechen. Genau das unterscheidet prekär von Wörtern wie schlimm oder ernst.
Ein Alltagswort ist prekär trotzdem nicht, der Duden stuft es als bildungssprachlich ein. Es taucht vor allem dort auf, wo über Wirtschaft, Politik oder soziale Fragen gesprochen wird, und verbindet sich besonders oft mit Substantiven wie Lage, Situation, Finanzlage oder Beschäftigungsverhältnis.
Herkunft
Woher die Unsicherheit im Wort kommt, zeigt ein Blick zurück. Am Anfang steht das lateinische Verb precari, das bitten und beten bedeutet. Daraus haben die Römer das Adjektiv precarius gebildet - wörtlich das, was man sich erbeten hat. Wer etwas nur auf Bitten hin bekommen hat, besitzt es ohne festen Anspruch und kann es jederzeit wieder verlieren. Aus diesem Gedanken ist die Bedeutung unsicher und widerruflich entstanden.
Über das französische précaire, das unsicher, schwankend und widerruflich bedeutet, ist das Wort Ende des 18. Jahrhunderts ins Deutsche gelangt. Hier wird es seither in einem weiteren Sinn gebraucht als in der französischen Vorlage - eben nicht nur für Widerrufliches, sondern für alles Heikle und Missliche.
Im römischen Recht war das precarium eine Bittleihe. Wer als Prekarist ein Stück Land oder ein Haus nutzen durfte, hatte darauf keinen einklagbaren Anspruch - der Eigentümer konnte die Sache jederzeit nach Belieben zurückfordern. Meist haben Vermögende auf diese Weise Ärmeren etwas überlassen. Der Begriff lebt bis heute fort, im österreichischen Recht etwa heißt die jederzeit widerrufliche Leihe weiterhin Prekarium.
Prekäre Beschäftigung und Prekariat
Seine zweite Karriere hat das Wort in der Arbeitswelt gemacht. Von prekärer Beschäftigung spricht man, wenn ein Job die Existenz nicht verlässlich sichert - etwa bei Leiharbeit, Minijobs, befristeten Stellen, unfreiwilliger Teilzeit oder schlecht abgesicherter Soloselbstständigkeit. Wer so arbeitet, hat zwar ein Einkommen, aber wenig Planbarkeit. Die alte Grundbedeutung des jederzeit Widerruflichen scheint hier wieder durch.
Angestoßen hat diese Debatte die französische Soziologie, die unsichere Lebens- und Arbeitsverhältnisse unter dem Begriff précarité untersucht hat. Dort ist auch das passende Substantiv entstanden. Das deutsche Prekariat, dem Proletariat nachgebildet, bezeichnet die Gruppe der Menschen, die dauerhaft in solchen ungesicherten Verhältnissen leben. Hierzulande ist der Begriff erst im Zuge der Sozialstaatsdebatte nach den Hartz-Reformen richtig bekannt geworden.
Wie prekär zum Sozialbegriff geworden ist
- um 1980In Frankreich ist précariat als Wort für ungesicherte Arbeit belegt
- 1997Der Soziologe Pierre Bourdieu hält in Grenoble den Vortrag "Prekarität ist überall"
- 2005Mit der Einführung von Hartz IV erreicht die Debatte über unsichere Arbeit Deutschland
- 2006Eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung macht das Schlagwort vom "abgehängten Prekariat" bekannt, die Gesellschaft für deutsche Sprache wählt "Prekariat" auf Platz 5 der Wörter des Jahres
Verwendungsbeispiele
Die ersten beiden Beispiele stammen aus dem Duden, die übrigen zeigen den heutigen Sprachgebrauch:
- "eine prekäre wirtschaftliche Situation" (Duden)
- "die Lage wurde immer prekärer" (Duden)
- "Die Versorgung der Menschen im Erdbebengebiet ist äußerst prekär."
- "Viele Paketboten arbeiten in prekären Beschäftigungsverhältnissen."
- "Ohne den Kredit wäre die Finanzlage des Vereins noch prekärer geworden."
Grammatik und Aussprache
- Wortart: Adjektiv
- Aussprache: [preˈkɛːɐ̯], betont auf der zweiten Silbe
- Silbentrennung: pre-kär
- Komparativ: prekärer
- Superlativ: am prekärsten
Zur Wortfamilie gehören neben dem Prekariat auch die Prekarität als Fachwort für den Zustand der Ungesichertheit und die Prekarisierung, mit der die Soziologie die Ausbreitung unsicherer Arbeitsverhältnisse beschreibt.
- Was bedeutete das lateinische precarius, auf das prekär zurückgeht?
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Auf Bitten erlangt und deshalb jederzeit widerruflich - daraus hat sich die Bedeutung unsicher entwickelt.
- Wann gilt ein Beschäftigungsverhältnis als prekär?
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Wenn es die Existenz nicht verlässlich sichert, zum Beispiel wegen Befristung, niedriger Bezahlung oder fehlender sozialer Absicherung.
- Wie wird prekär gesteigert?
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Prekärer, am prekärsten.