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Lethargie - Was bedeutet das?

Eine Frau liegt bäuchlings auf einem gemachten Bett, das Gesicht im angewinkelten Arm vergraben, im gedämpften Licht eines Schlafzimmers
Liegen bleiben statt aufstehen, wie es sich bei Lethargie anfühlen kann (Foto: Maridav / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Lethargie ist laut Duden ein "Zustand körperlicher und psychischer Trägheit, in dem das Interesse ermüdet ist". Wer lethargisch ist, wirkt teilnahmslos und kommt kaum ins Handeln. In der Medizin bezeichnet Lethargie eine Bewusstseinsstörung mit krankhafter Schläfrigkeit, die ein Symptom verschiedener Erkrankungen ist. Das Wort stammt vom griechischen "lēthargía" für Schlafsucht.

Lethargie ist laut Duden ein "Zustand körperlicher und psychischer Trägheit, in dem das Interesse ermüdet ist". Wer lethargisch ist, wirkt teilnahmslos, desinteressiert und kommt kaum ins Handeln. Das Wort ist bildungssprachlich. In der Medizin hat es eine engere Bedeutung. Dort bezeichnet Lethargie eine krankhafte Schläfrigkeit mit Bewusstseinsstörungen. Das zugehörige Adjektiv ist lethargisch.

Was Lethargie im Alltag bedeutet

Das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache (DWDS) beschreibt Lethargie im Alltag als Untätigkeit, die vor allem durch Teilnahmslosigkeit, Desinteresse oder Stumpfheit ausgelöst wird. Gemeint sein kann eine drückende, aber auch eine wohlige Schwere, etwa an einem heißen Sommertag. Das Wort gilt nicht nur für einzelne Menschen. Unter den Belegen des DWDS finden sich auch Wendungen wie "staatliche Lethargie" oder "klimapolitische Lethargie".

Typisch sind bestimmte Wortverbindungen. Man versinkt in Lethargie, erstarrt oder verharrt in ihr. Heraus kommt man, wenn einen jemand aufrüttelt, herausreißt oder weckt. Wer es selbst schafft, schüttelt die Lethargie ab oder überwindet sie.

Irrtum: Lethargie ist nur ein anderes Wort für Müdigkeit

Im Alltag meint Lethargie vor allem fehlenden Antrieb und fehlendes Interesse, nicht fehlenden Schlaf. In der Medizin geht sie über Müdigkeit hinaus. Das DocCheck Flexikon beschreibt sie als eine Bewusstseinsstörung, bei der die Reizschwelle deutlich erhöht ist. Die Betroffenen haben ein ständiges starkes Schlafbedürfnis und dämmern immer wieder weg.

Woher das Wort kommt

Lethargie ist im 16. Jahrhundert als Krankheitsbezeichnung ins Deutsche gekommen. Es stammt vom spätlateinischen "lēthargia" und vom griechischen "lēthargía", das "Schlafsucht" bedeutet. Dahinter steht das griechische "lḗthargos", eigentlich "durch Vergesslichkeit untätig oder träge". Es verbindet "lḗthē" für Vergessenheit mit "argós" für untätig.

Lethe hieß in der griechischen Sage auch ein Fluss der Unterwelt. Im Deutschen steht das Wort laut Duden bis heute für einen Vergessenheitstrank. Mehr über die Welt der griechischen Götter und Sagen steht im Beitrag über die griechischen Götter.

Vom Fachwort zum Alltagswort

  • 16. JahrhundertLethargie wird als Krankheitsbezeichnung aus dem Lateinischen entlehnt.
  • 18. JahrhundertDas Wort wird allgemein geläufig, vielfach in der übertragenen Bedeutung "Trägheit, Gleichgültigkeit".
  • um 1800Das Adjektiv lethargisch ist belegt.
  • 1917Der Wiener Neurologe Constantin von Economo beschreibt die Encephalitis lethargica.

Was Ärzte mit Lethargie meinen

In der Medizin ist Lethargie eine Bewusstseinsstörung. Der Patient neigt zu einer abnormal ausgeprägten Schläfrigkeit, und die Reizschwelle, bei der er wach wird, ist deutlich erhöht. Lethargie ist dabei keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom, das bei vielen Erkrankungen auftreten kann.

Als mögliche Ursachen nennt das DocCheck Flexikon unter anderem einen erhöhten Hirndruck, Tumoren an der Hirnbasis, Blutarmut, eine Herzschwäche, Krebs, Schlafstörungen wie die Schlafapnoe oder die Narkolepsie und Medikamente, die als Nebenwirkung müde machen. Behandelt wird deshalb die Grunderkrankung.

Encephalitis lethargica, die Schlafkrankheit von 1917

Ihren bekanntesten Auftritt hatte die medizinische Lethargie im Namen einer Krankheit. Im Winter 1916 hat der Neurologe Constantin von Economo an der psychiatrischen Klinik in Wien Patienten gesehen, die in einen anhaltenden tiefen Schlaf gefallen sind. Sie mussten zum Essen und Trinken geweckt werden und sind danach sofort wieder eingeschlafen. Am 17. April 1917 hat Economo das Krankheitsbild der Wiener psychiatrischen Gesellschaft vorgestellt und es Encephalitis lethargica genannt, also schlafsüchtige Gehirnentzündung.

Die Krankheit hat sich zwischen 1916 und 1930 in Europa, Nordamerika und der Sowjetunion ausgebreitet. Nach Schätzungen sind mehr als eine Million Menschen erkrankt. Economo selbst hat zusammengefasst, dass etwa 40 Prozent der Erkrankten gestorben sind. Etwa ein Drittel hat bleibende Schäden behalten, ein weiteres Drittel ist genesen. Auch Genesene konnten nach Monaten oder Jahren an einer Form des Parkinsonismus erkranken. Ob die gleichzeitige Grippepandemie die Krankheit ausgelöst hat, ist bis heute umstritten.

Das Erwachen der Patienten

Der Neurologe Oliver Sacks hat in einer Einrichtung in New York Überlebende der Encephalitis lethargica mit dem Parkinson-Medikament Levodopa behandelt. Die Patienten haben zunächst gut darauf angesprochen, doch die Wirkung hat schnell wieder nachgelassen. Sacks hat seine Beobachtungen in dem Buch "Awakenings" beschrieben. 1990 ist daraus ein Film mit Robert De Niro geworden.

Verwendungsbeispiele

  • "jemanden aus seiner Lethargie erwecken" (Duden)
  • "in die alte Lethargie zurückfallen" (Duden)
  • "Fledermäuse […] senken ihre Körpertemperatur ab, verfallen in eine winterschlafähnliche Lethargie und sparen so Energie." (Rhein-Zeitung, 21. Juli 2007, nach DWDS)
  • "Diese Politik führt in die staatliche Lethargie, wenn nicht in den Bankrott." (Die Zeit, 29. Dezember 2008, nach DWDS)

Grammatik und Aussprache

Wortart
Substantiv, feminin
Artikel
die Lethargie
Genitiv Singular
der Lethargie
Plural
die Lethargien, selten
Aussprache
[letarˈɡiː]
Worttrennung
Le-thar-gie
Gebrauch
bildungssprachlich, in der Medizin Fachwort
Herkunft
spätlateinisch lēthargia, griechisch lēthargía "Schlafsucht"
Adjektiv
lethargisch
Synonyme
Bequemlichkeit, Geistesträgheit, Gleichgültigkeit, Interesselosigkeit
Was hast Du gelernt?
  1. Was bedeutet Lethargie im Alltag?

  2. Was bezeichnet Lethargie in der Medizin?

  3. Welches griechische Wort für Vergessenheit steckt in Lethargie?

  4. Wer hat 1917 die Encephalitis lethargica beschrieben?

Quellen 6
  1. Duden online, Lethargie · abgerufen 26.09.2026
  2. Duden online, Lethe · abgerufen 26.09.2026
  3. DWDS, Lethargie (Bedeutung nach eWDG 1969 und DWDS 2024, Kollokationen, Belege, Etymologie nach Wolfgang Pfeifer) · abgerufen 26.09.2026
  4. DocCheck Flexikon, Lethargie · abgerufen 26.09.2026
  5. Michael Brainin, Yvonne Teuschl und Ellen Gelpi, Spanish flu, encephalitis lethargica, and COVID-19: Progress made, lessons learned, and directions for future research, in: European Journal of Neurology, 2024 · Stand 14.05.2024, abgerufen 26.09.2026
  6. Di Vito und andere, Encephalitis lethargica. What is still wrong?, in: International Journal of Immunopathology and Pharmacology, 2023 · Stand 01.01.2023, abgerufen 26.09.2026
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quickpedia.de: "Lethargie: Bedeutung, Herkunft und was Ärzte darunter verstehen". Stand: 26.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/sprache/definition/lethargie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 26. September). Lethargie: Bedeutung, Herkunft und was Ärzte darunter verstehen. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/sprache/definition/lethargie

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