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Femizid - Definition, Bedeutung und Begriffserklärung

Hand hält ein Bündel roter Fähnchen mit der Aufschrift "Stop Femicide!" bei einer Demonstration
Fahne auf einer Demonstration gegen Femizide (Foto: Dutchmen Photography / Shutterstock)

Tödliche Gewalt gegen Frauen aufgrund ihres Geschlechts

Ein Femizid ist die Tötung einer Frau oder eines Mädchens wegen ihres Geschlechts. Das Wort benennt die äußerste Form der Gewalt gegen Frauen und macht sichtbar, dass hinter solchen Taten ein Muster steckt.

Herkunft des Begriffs

Der Begriff Femizid leitet sich von den lateinischen Wörtern "femina" (Frau) und "caedere" (töten) ab.

Erstmals aufgetaucht ist das englische "femicide" bereits 1801. Der irische Schriftsteller John Corry hat damit in einer Satire über London schlicht die Tötung einer Frau bezeichnet.

Seine heutige Bedeutung hat der Begriff erst in den 1970er Jahren bekommen.

Die Tötung von Frauen durch Männer, weil sie Frauen sind.

Diana E. H. Russell, südafrikanisch-amerikanische Soziologin, 1976 beim Internationalen Tribunal über Verbrechen an Frauen in Brüssel

Im deutschen Sprachraum wird der Begriff seit den frühen 2000er-Jahren verwendet.

Detaillierte Bedeutung

Femizide treten in unterschiedlichen Formen auf.

Partner-Femizid: Die häufigste Form. Eine Frau wird von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, oft nachdem sie sich getrennt hat oder trennen will.

Femizide durch Familienangehörige: Dazu zählen Tötungen im Namen einer vermeintlichen Familienehre, meist begangen durch männliche Verwandte.

Mitgiftbezogene Femizide: Vor allem aus Südasien dokumentiert - Frauen sterben, weil ihre Familie Mitgiftforderungen nicht erfüllt.

Nicht-intime Femizide: Taten ohne persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer, etwa aus offenem Frauenhass.

Auch in bewaffneten Konflikten werden Frauen gezielt wegen ihres Geschlechts getötet. Selten steht ein Femizid am Anfang der Gewalt. Meist gehen Kontrolle und Drohungen voraus, oft auch körperliche Übergriffe.

Femizide gelten deshalb nicht als privates Unglück, sondern als Ausdruck eines gesellschaftlichen Machtgefälles zwischen Männern und Frauen.

Häufiger Irrtum

Wörter wie "Familiendrama" oder "Beziehungstat" klingen neutral, verharmlosen aber: Sie erklären die Tat zur Privatsache und verdecken das Muster dahinter. Genau diese Verharmlosung soll der Begriff Femizid durchbrechen.

Femizide in Zahlen

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind im Jahr 2024 weltweit rund 83.000 Frauen und Mädchen vorsätzlich getötet worden. Etwa 50.000 von ihnen sind durch den Partner oder ein Familienmitglied gestorben. Im Schnitt ist das eine Frau alle zehn Minuten.

328Frauen und Mädchen wurden in Deutschland getötet
132von ihnen tötete der Partner oder Ex-Partner
2 bis 3Frauen sterben damit jede Woche durch Partnergewalt

Lagebild des Bundeskriminalamts für 2024

Wie viele dieser Taten Femizide im engeren Sinn waren, geht aus der Statistik allerdings nicht hervor, weil die Polizei das Tatmotiv nicht erfasst.

Rechtliche Lage

Das deutsche Strafrecht kennt keinen eigenen Tatbestand für Femizide. Vor Gericht laufen die Taten als Mord oder Totschlag. Seit 2023 nennt das Strafgesetzbuch bei der Strafzumessung aber ausdrücklich "geschlechtsspezifische" Beweggründe. Der Deutsche Juristinnenbund kritisiert dennoch, dass Gerichte in einigen Urteilen eine Trennung des Opfers zugunsten des Täters gewertet haben.

Die Istanbul-Konvention des Europarats verpflichtet Deutschland seit 2018 zudem völkerrechtlich, Gewalt gegen Frauen zu verhindern und zu verfolgen.

Andere Länder sind weiter gegangen. Costa Rica hat 2007 als erstes Land einen eigenen Straftatbestand eingeführt. Heute kennen ihn 18 von 33 Staaten Lateinamerikas und der Karibik. In der EU haben Malta und Zypern 2022 den Anfang gemacht. Kroatien ist 2024 gefolgt. Ende 2025 hat auch Italien den Femizid als eigenen Tatbestand ins Strafgesetzbuch aufgenommen und bestraft ihn mit lebenslanger Haft.

Beispiele für die Verwendung

  1. "Etwa alle drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet - viele dieser Taten sind Femizide."

  2. "Der Begriff Femizid macht deutlich, dass Frauen getötet werden, weil sie Frauen sind."

  3. "Femizide sind keine Einzelfälle, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem."

Grammatik und Silbentrennung

  • Wortart: Substantiv, maskulin (der Femizid), laut Duden auch Neutrum (das Femizid)
  • Genitiv: des Femizids, auch des Femizides
  • Plural: die Femizide
  • Silbentrennung: Fe|mi|zid
  • Aussprache: [femiˈtsiːt], Betonung auf der letzten Silbe
  • Nebenform: Feminizid

Der Begriff "Femizid" gehört nicht zum deutschen Grundwortschatz. Der Duden führt ihn als fachsprachlich. Inzwischen taucht er aber regelmäßig in Nachrichtentexten und politischen Debatten auf.