Impostor-Syndrom - Was steckt dahinter?

Das Impostor-Syndrom bezeichnet das anhaltende Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben und bald als Blender aufzufliegen. Beschrieben haben es zwei Psychologinnen 1978, und zwar ausdrücklich als Phänomen und nicht als Krankheit. Eine Diagnose ist es bis heute nicht.
Das Impostor-Syndrom bezeichnet das hartnäckige Gefühl, den eigenen Erfolg nicht verdient zu haben. Wer es kennt, hält die eigenen Leistungen für Glück, gutes Timing oder einen Irrtum der anderen und rechnet damit, irgendwann aufzufliegen.
Das Besondere daran ist, dass es sich durch Erfolg nicht beheben lässt. Eine Beförderung, ein bestandenes Examen, ein Lob vom Vorgesetzten: Alles davon wird umgedeutet, sobald es eintrifft. Der Verdacht bleibt, und manchmal wächst er sogar mit.
Zwei Psychologinnen, 150 erfolgreiche Frauen
Beschrieben haben das Muster Pauline Rose Clance und Suzanne Imes im Jahr 1978. Sie hatten über 150 hochqualifizierte Frauen begleitet, Professorinnen, Promovierte, ausgezeichnete Studentinnen, und dabei etwas bemerkt, das nicht zu deren Lebensläufen passte. Keine von ihnen konnte den eigenen Erfolg als eigene Leistung annehmen.
Eine Professorin sagte den Autorinnen: "Ich bin nicht gut genug für diese Fakultät. Bei der Auswahl muss ein Fehler passiert sein." Studentinnen erklärten gute Prüfungsergebnisse mit Glück, mit Fehlern bei der Korrektur oder mit dem schlechten Urteilsvermögen ihrer Professoren.
Clance und Imes haben bewusst von einem Phänomen gesprochen, nicht von einem Syndrom. In ihrem Aufsatz steht "impostor phenomenon", und gemeint war ein Erlebensmuster, keine Krankheit.
Daran hat sich nichts geändert. Weder das Diagnosehandbuch DSM-5-TR noch die internationale Klassifikation ICD-11 führen das Impostor-Syndrom als Diagnose. Der Wortteil "Syndrom" hat sich über die Ratgeberliteratur eingebürgert und klingt medizinischer, als die Sache ist. Wer darunter leidet, ist deshalb nicht krank, und wer es nicht kennt, ist nicht gesünder.
Woran man es erkennt
Der Kreislauf ist bei den meisten derselbe. Vor einer Aufgabe steht die Angst, diesmal werde es auffallen. Darauf folgt entweder übermäßige Vorbereitung oder Aufschieben bis zur letzten Minute. Geht es dann gut aus, wird der Erfolg der Anstrengung oder dem Glück zugeschrieben, nie der eigenen Fähigkeit. Damit ist der Beweis wieder nicht erbracht, und beim nächsten Mal beginnt es von vorn.
- Ich hatte einfach Glück, das hätte auch schiefgehen können
- Wenn die wüssten, wie wenig ich wirklich kann
- Das war keine Leistung, ich habe nur sehr viel Zeit hineingesteckt
- Irgendwann merkt jemand, dass ich hier falsch sitze
- Lob nehme ich freundlich entgegen und glaube es nicht
Wie verbreitet es ist, weiß niemand genau
Oft heißt es, etwa 70 Prozent aller Menschen erlebten das mindestens einmal. Diese Zahl hält der Prüfung nicht stand.
Eine Übersichtsarbeit von 2020 hat 62 Studien mit zusammen 14.161 Teilnehmern ausgewertet. Die gefundenen Häufigkeiten reichen von 9 bis 82 Prozent, und der Unterschied liegt vor allem an den Fragebögen und daran, wo die jeweiligen Forscher die Grenze gezogen haben. Eine belastbare Verbreitungszahl gibt es damit nicht, wohl aber einen belastbaren Befund: Wie viele es trifft, hängt davon ab, wie man fragt.
Zwei weitere Ergebnisse derselben Arbeit sind bemerkenswert. Das Muster tritt bei Männern und Frauen auf, quer durch alle Altersgruppen, und nicht nur bei den hochqualifizierten Frauen, bei denen Clance und Imes es zuerst gefunden haben. Und es gab bis dahin keine einzige veröffentlichte Studie, die eine Behandlung untersucht hätte.
Was dagegen hilft, und was der Begriff verdeckt
Was in der Praxis hilft, ist unspektakulär. Aussprechen wirkt, weil der Gedanke seine Kraft aus der Annahme zieht, man sei der Einzige. Schriftliche Belege helfen ebenfalls, also eine Liste dessen, was tatsächlich geleistet wurde, gegen die Erinnerung, die nur das Misslungene aufbewahrt. Und es lohnt, die eigene Erklärung umzudrehen: Wer Erfolg dem Glück zuschreibt und Misserfolg sich selbst, führt eine Buchhaltung, die nie aufgehen kann.
Ein Vorbehalt gehört dazu. Das Gefühl, fehl am Platz zu sein, hat nicht immer nur mit der eigenen Wahrnehmung zu tun. Wer in einem Umfeld arbeitet, in dem ihm tatsächlich weniger zugetraut wird, deutet die Lage womöglich richtig. Ein Begriff, der das Problem in den Kopf des Einzelnen verlegt, kann dann verdecken, woran es wirklich liegt.
Wer hat das Impostor-Phänomen zuerst beschrieben?
Ist das Impostor-Syndrom eine anerkannte Diagnose?
Warum ist die oft genannte Zahl von 70 Prozent mit Vorsicht zu nehmen?
Quellen 3
- Pauline Rose Clance, Suzanne Imes, The Imposter Phenomenon in High Achieving Women: Dynamics and Therapeutic Intervention, in: Psychotherapy: Theory, Research and Practice, Band 15, Nr. 3, 1978, Seite 241 bis 247 · abgerufen 21.09.2026
- Dena M. Bravata und andere, Prevalence, Predictors, and Treatment of Impostor Syndrome: a Systematic Review, in: Journal of General Internal Medicine, Band 35, Nr. 4, 2020, Seite 1252 bis 1275 · abgerufen 21.09.2026
- Pauline Rose Clance, Impostor Phenomenon (IP), Übersicht und Fragebogen der Autorin · abgerufen 21.09.2026
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quickpedia.de: "Impostor-Syndrom einfach erklärt - das Hochstapler-Gefühl". Stand: 21.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/psychologie/impostor-syndrom (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 21. September). Impostor-Syndrom einfach erklärt - das Hochstapler-Gefühl. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/psychologie/impostor-syndrom
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Danke, wir sehen uns das an.