Body Positivity - Was steckt hinter der Bewegung?

Body Positivity ist eine Bewegung, die jeden Körper als gleichwertig anerkennt, unabhängig von Gewicht, Form, Hautfarbe, Alter oder Behinderung. Entstanden ist sie aus dem Protest gegen die Diskriminierung dicker Menschen in den USA der späten 1960er Jahre.
Body Positivity (englisch für "Körperpositivität") ist eine gesellschaftliche Bewegung, die sich gegen enge Schönheitsideale wendet und jeden Körper als gleichwertig anerkennt. Gewicht, Form, Hautfarbe, Alter oder eine Behinderung sollen nicht darüber entscheiden, wie ein Mensch behandelt wird und wie er sich selbst sieht.
Wer den Begriff heute hört, denkt meist an Instagram, an Fotos von Bauchfalten, Dehnungsstreifen und Cellulite unter dem Hashtag #bodypositive. Die Idee ist allerdings Jahrzehnte älter als jede Social-Media-Plattform. Und sie hat nicht mit Selbstliebe angefangen, sondern mit Protest.
Was Body Positivity meint
Ein Beispiel macht den Kern greifbar. Eine Frau verzichtet seit Jahren aufs Freibad, weil sie sich im Badeanzug zu dick findet. Body Positivity sagt ihr nicht, dass sie abnehmen oder sich zusammenreißen soll. Sie sagt, dass ihr Körper genauso ins Freibad gehört wie jeder andere, und dass das Problem eher bei den Blicken liegt als bei ihrem Bauch.
Die Bewegung arbeitet damit auf zwei Ebenen. Auf der persönlichen geht es um das Verhältnis zum eigenen Körper, also darum, ihn nicht ständig zu bekämpfen. Auf der gesellschaftlichen geht es um Gewichtsdiskriminierung, im Fachjargon "Weight Stigma". Gemeint sind Nachteile, die Menschen allein wegen ihres Körpers erleben, etwa bei der Jobsuche, in der Arztpraxis oder beim Kleiderkauf, wenn es die eigene Größe schlicht nicht gibt.
Die Parole "Love your body" hat das Bild geprägt, trifft aber nur einen Teil. Die Forschung zum positiven Körperbild versteht darunter kein Dauerhoch der Zufriedenheit. Dazu gehören Wertschätzung für das, was der Körper leistet, Akzeptanz auch an schlechten Tagen und ein weiter gefasster Begriff von Schönheit. Wer einzelne Stellen an sich nicht mag, hat deshalb kein negatives Körperbild.
Woher die Bewegung kommt
Die Wurzeln liegen in der Fat-Acceptance-Bewegung der USA. 1967 hat ein New Yorker Radiomoderator zu einem "Fat-in" aufgerufen, einer Kundgebung im Central Park. Im selben Jahr ist in der Saturday Evening Post ein Artikel des Journalisten Lew Louderback erschienen, der dicke Menschen gegen den Diätzwang verteidigt hat. Er hat den New Yorker Ingenieur Bill Fabrey so überzeugt, dass dieser zwei Jahre später die erste Organisation für die Rechte dicker Menschen gegründet hat.
Radikaler waren die Feministinnen, denen diese Organisation zu brav war. Sie haben nicht um Akzeptanz gebeten, sondern gleiche Rechte gefordert. Der Begriff "Body Positive" selbst ist erst in den 1990er Jahren als Name aufgetaucht, und zwar in einem ganz anderen Umfeld, nämlich in der Arbeit gegen Essstörungen bei Jugendlichen.
Vom Protest zum Hashtag
- 1967Rund 500 Menschen demonstrieren im Central Park gegen die Diskriminierung dicker Menschen und verbrennen Diätbücher.
- 1969Bill Fabrey gründet in New York die National Association to Aid Fat Americans, heute National Association to Advance Fat Acceptance (NAAFA).
- 1973Die feministische Gruppe Fat Underground veröffentlicht in Kalifornien das "Fat Liberation Manifesto".
- 1996Connie Sobczak und die Psychotherapeutin Elizabeth Scott gründen die Organisation The Body Positive, die zunächst Schülerinnen in der Bucht von San Francisco schult.
- 2004Die Kosmetikmarke Dove startet die "Campaign for Real Beauty" mit älteren und dickeren Frauen statt Berufsmodels.
- 2010erUnter #bodypositive wird die Bewegung auf Instagram zu einem Massenphänomen.
Mit dem Sprung in die sozialen Medien hat sich der Schwerpunkt verschoben. Aus einer politischen Bewegung mit Forderungen ist für viele ein Gefühl geworden, das sich in einem Foto ausdrücken lässt. Das hat die Idee enorm bekannt gemacht. Es hat aber auch die Kritik ausgelöst, von der weiter unten die Rede ist.
Was die Forschung über Body Positivity auf Instagram weiß
Wie körperpositive Beiträge tatsächlich aussehen, hat ein Forschungsteam aus Australien und Großbritannien 2019 an 640 Instagram-Posts reichweitenstarker Konten untersucht. Die Bilder zeigten überwiegend eine große Bandbreite an Körpergrößen und Erscheinungsbildern. Die meisten Botschaften passten zu dem, was die Psychologie unter einem positiven Körperbild versteht. Ein Teil der Beiträge drehte sich trotzdem vor allem ums Aussehen.
Im selben Jahr hat dieselbe Gruppe die Wirkung in einem Experiment gemessen. 195 junge Frauen zwischen 18 und 30 Jahren sahen nach dem Zufallsprinzip entweder körperpositive Posts, Bilder nach dem Schlankheitsideal oder Aufnahmen ohne Körperbezug. Nach den körperpositiven Bildern war ihre Stimmung besser, und sie waren zufriedener mit dem eigenen Körper als die Frauen in den beiden anderen Gruppen.
Ein Befund passt allerdings nicht ins freundliche Bild. Wie die Schlankheitsbilder haben auch die körperpositiven Posts die Selbstobjektivierung verstärkt. Gemeint ist damit, den eigenen Körper vor allem von außen zu betrachten, als etwas, das angesehen und bewertet wird. Auch wer zeigt, dass jeder Körper schön ist, lenkt den Blick eben auf Körper. Dazu kommt, dass das Experiment nur die unmittelbare Wirkung erfasst hat. Ob körperpositive Inhalte langfristig gesünder machen, ist bis heute offen.
Die Kritik an der Bewegung
Der erste Einwand kommt von außen und betrifft die Gesundheit. Body Positivity verharmlose Übergewicht, heißt es. Die Bewegung trennt allerdings zwei Fragen, die in dieser Kritik zusammenfallen. Ob ein bestimmtes Gewicht gesundheitliche Risiken birgt, ist eine medizinische Frage. Ob ein Mensch deshalb schlechter behandelt werden darf, ist eine andere.
Der zweite Einwand kommt von innen. Seit Werbekampagnen mit der Idee arbeiten, verkaufen Unternehmen Produkte mit dem Versprechen, man dürfe sich schön finden. Dabei sind oft Körper zu sehen, die nur ein wenig von der Norm abweichen, während sehr dicke, behinderte oder ältere Menschen weiter selten vorkommen. Wer die Wurzeln der Bewegung kennt, sieht darin eine Verwässerung.
Der dritte Einwand richtet sich gegen den Druck zur guten Laune. Wer sich nicht jeden Tag schön findet, fühlt sich schnell doppelt gescheitert, einmal am Schönheitsideal und dann noch an der Selbstliebe. Aus dieser Kritik ist eine eigene Gegenidee entstanden.
Body Positivity
Jeder Körper ist schön und verdient Wertschätzung, auch wenn er nicht der Norm entspricht.
Body Neutrality
Der Körper muss gar nicht schön sein. Er ist vor allem das, womit man lebt, und das Aussehen rückt in den Hintergrund.
Beide Haltungen schließen sich nicht aus. Viele Menschen nutzen Body Neutrality als Zwischenschritt, wenn "Ich finde mich schön" noch zu weit weg ist, "Mein Körper trägt mich durch den Tag" aber schon stimmt.
Wo liegen die Wurzeln der Body-Positivity-Bewegung?
Was hat das Instagram-Experiment von 2019 neben der besseren Stimmung gezeigt?
Worin unterscheidet sich Body Neutrality von Body Positivity?
Quellen 8
- Center for Body Trust, A Brief History of the Fat Acceptance Movement · abgerufen 22.09.2026
- NAAFA, NAAFA's Origin Story & Fat Activism History · abgerufen 22.09.2026
- The Body Positive, Connie Sobczak (Kurzbiografie) · abgerufen 22.09.2026
- In-Mind Magazine, The good, the bad, and the ugly of the Dove Campaign for Real Beauty · abgerufen 22.09.2026
- Tylka, Wood-Barcalow: What is and what is not positive body image? Body Image 14 (2015), S. 118-129 · abgerufen 22.09.2026
- Cohen, Irwin, Newton-John, Slater: #bodypositivity. A content analysis of body positive accounts on Instagram. Body Image 29 (2019), S. 47-57 · abgerufen 22.09.2026
- Cohen, Fardouly, Newton-John, Slater: #BoPo on Instagram. New Media & Society 21 (2019), S. 1546-1564 · abgerufen 22.09.2026
- Cohen, Newton-John, Slater: The case for body positivity on social media. Journal of Health Psychology 26 (2021), S. 2365-2373 · abgerufen 22.09.2026
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quickpedia.de: "Body Positivity einfach erklärt - Bedeutung, Herkunft, Kritik". Stand: 22.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/psychologie/body-positivity (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 22. September). Body Positivity einfach erklärt - Bedeutung, Herkunft, Kritik. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/psychologie/body-positivity
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