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Propaganda

Viele gleich gekleidete Gestalten stehen in Reihen, jede trägt statt eines Kopfes einen alten Röhrenfernseher mit einer schwarz-weißen Spirale auf dem Bildschirm
Propaganda will das Bewusstsein vieler Menschen in eine bestimmte Richtung lenken (3D-Illustration: Branko Devic / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Propaganda ist die systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder religiöser Ideen mit dem Ziel, das Bewusstsein vieler Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Das Wort stammt aus der katholischen Kirche des 17. Jahrhunderts und war lange neutral. Seinen schlechten Ruf hat es durch die Kriegspropaganda im Ersten Weltkrieg und durch den Nationalsozialismus bekommen.

Propaganda ist die systematische Verbreitung politischer, weltanschaulicher oder religiöser Ideen, oft mit Hilfe der Massenmedien. Ihr Ziel ist, das Denken vieler Menschen in eine bestimmte Richtung zu lenken. Anders als Journalismus will Propaganda also nicht vor allem informieren, damit sich jeder selbst ein Urteil bilden kann. Sie will ein bestimmtes Urteil erreichen. Dafür muss sie nicht lügen, denn auch eine geschickte Auswahl wahrer Tatsachen kann ein falsches Bild ergeben.

Woher das Wort kommt

Das Wort stammt aus der katholischen Kirche. 1622 hat Papst Gregor XV. in Rom die "Congregatio de propaganda fide" eingerichtet, die Behörde zur Verbreitung des Glaubens. Eine Vorläuferin gab es schon seit 1597. Die Behörde sollte die Mission lenken und dem Protestantismus etwas entgegensetzen. "Propaganda" ist eine Form des lateinischen Verbs "propagare". Es bedeutet ausbreiten und ursprünglich auch eine Pflanze durch Ableger vermehren.

Lange war das Wort neutral. Zur Zeit der Französischen Revolution hat es die Bedeutung bekommen, dass eine Organisation politische Ideen verbreitet. Im 19. Jahrhundert hat man dann auch in Deutschland ganz selbstverständlich "Propaganda gemacht", etwa für eine Partei oder einen Verein.

Wie das Wort seinen Ruf verloren hat

Im Ersten Weltkrieg ist die Propaganda zu einem zentralen Werkzeug der Kriegführung geworden. In Großbritannien sind regelmäßig erfundene Geschichten über angebliche Gräueltaten deutscher Soldaten verbreitet worden. Nach dem Krieg wollten britische Offiziere und Politiker deshalb lieber nicht mehr von Propaganda sprechen, weil sie als unehrenhaft galt.

Den Rest hat der Nationalsozialismus besorgt. Am 13. März 1933 ist das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" unter Joseph Goebbels geschaffen worden. In kurzer Zeit hat es Presse, Rundfunk, Film und Kultur unter seine Kontrolle gebracht. Seitdem hat das Wort im Deutschen einen schlechten Klang.

Aus Propaganda wurde Public Relations

Der Amerikaner Edward Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds, gilt als einer der Väter der modernen Öffentlichkeitsarbeit. 1928 hat er ein Buch veröffentlicht, das schlicht "Propaganda" hieß. Weil das Wort schon damals einen schlechten Klang hatte, hat er für sein Handwerk den Begriff "Public Relations" durchgesetzt. In seinen Erinnerungen von 1965 hat Bernays berichtet, ein Journalist habe ihm 1933 erzählt, Goebbels nutze eines seiner früheren Bücher, "Crystallizing Public Opinion". Das habe ihn schockiert.

Propaganda, Werbung und Journalismus

Alle drei wollen etwas von ihrem Publikum, und alle drei arbeiten mit Sprache und Bildern. Unterscheiden lassen sie sich an drei Fragen. Gibt sich der Absender zu erkennen? Was will er erreichen? Und darf das Publikum nachprüfen und widersprechen?

Propaganda

Sie lenkt das Denken auf ein vorgegebenes Ziel. Oft bleibt der Absender verborgen, und Widerspruch ist nicht vorgesehen.

Werbung

Sie will zu einem Kauf oder einer Entscheidung bewegen. Nach dem Wettbewerbsrecht muss ihr kommerzieller Zweck in der Regel erkennbar sein.

Journalismus

Er will informieren, damit sich das Publikum ein eigenes Urteil bildet. Werbung und Redaktion sind nach dem Pressekodex zu trennen, und Fehler müssen richtiggestellt werden.

In der Praxis verschwimmen die Grenzen. Auch Kampagnen demokratischer Regierungen oder Parteien können propagandistische Mittel nutzen, und ein Medium, das nur eine Seite zu Wort kommen lässt, entfernt sich vom Journalismus. Ob jemand überzeugen will, ist deshalb nicht die entscheidende Frage. Entscheidend ist, ob er dem Publikum die Mittel lässt, selbst zu urteilen.

Die Werkzeuge der Propaganda

In den USA hat 1937 das Institute for Propaganda Analysis sieben Techniken beschrieben, an denen man Propaganda erkennen kann. Das Institut hat bis 1942 bestanden. Nach seiner Erklärung wirken die Techniken, weil sie Gefühle ansprechen und nicht den Verstand.

Sieben Techniken, an denen man Propaganda erkennt
  • Beschimpfung: Ein Mensch oder eine Idee bekommt ein abwertendes Etikett, damit man sie ohne Prüfung ablehnt.
  • Glanzwörter: Große, positive Begriffe wie Freiheit oder Heimat sollen Zustimmung auslösen, ohne dass gesagt wird, was konkret gemeint ist.
  • Übertragung: Das Ansehen eines Symbols, etwa einer Flagge oder der Kirche, wird auf eine Sache übertragen.
  • Fürsprache: Eine bekannte oder beliebte Person wirbt für eine Idee.
  • Einer von uns: Der Absender gibt sich als einfacher Mensch aus dem Volk.
  • Einseitige Auswahl: Es werden nur die Tatsachen gezeigt, die zur Botschaft passen, und alle anderen weggelassen.
  • Mitläufereffekt: Alle machen mit, also soll man auch mitmachen.

Diese Techniken sind nicht auf Diktaturen beschränkt. Sie finden sich in Wahlkämpfen, in der Werbung und in Diskussionen im Familienchat. Bei anderen erkennt man sie meist leichter als bei der eigenen Seite.

Irrtum: Propaganda besteht immer aus Lügen

Nein. Propaganda kann lügen, aber sie muss es nicht. Eine ihrer wirksamsten Techniken ist die einseitige Auswahl. Jede einzelne Angabe kann dabei stimmen, und trotzdem entsteht ein falsches Gesamtbild, weil das Wichtige fehlt. Deshalb reicht es nicht, einzelne Fakten zu prüfen. Man muss auch fragen, was weggelassen wurde.

Propaganda heute

Früher kam Propaganda vor allem über Kanäle, die dem Staat gehörten. Heute läuft sie oft über soziale Netzwerke. Das Auswärtige Amt hat 2024 eine russische Kampagne untersucht, die unter dem Namen "Doppelgänger" bekannt ist. Sie verbreitet seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine im Februar 2022 prorussische Botschaften und Desinformation. Dazu gehören gefälschte Webseiten bekannter Medien, die den echten täuschend ähnlich sehen, eigene Fake-Nachrichtenportale und hunderttausende unechte Konten in sozialen Netzwerken. Ziel ist vor allem, die deutsche Unterstützung für die Ukraine zu untergraben.

Hannah Arendt hat schon 1951 in ihrem Buch über die Ursprünge der totalitären Herrschaft eine Beobachtung festgehalten, die heute oft zitiert wird. Der ideale Untertan einer totalitären Herrschaft sei nicht der überzeugte Nazi oder Kommunist, sondern ein Mensch, für den der Unterschied zwischen Tatsache und Erfindung und zwischen wahr und falsch nicht mehr existiert. Mehr dazu steht unter Totalitarismus.

Was hast Du gelernt?
  1. Woher kommt das Wort Propaganda?

  2. Muss Propaganda lügen?

  3. Welchen Begriff hat Edward Bernays an die Stelle von Propaganda gesetzt?

  4. Welche Technik steckt in dem Satz "Alle deine Freunde sind schon dabei"?

Quellen 12
  1. Bundeszentrale für politische Bildung, Krieg in den Medien, Propaganda · abgerufen 25.09.2026
  2. DWDS, Propaganda (Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Etymologisches Wörterbuch des Deutschen) · abgerufen 25.09.2026
  3. Christian Stöcker, Von Gilgamesch zum Algorithmus. Kleine Technikgeschichte der Propaganda, Aus Politik und Zeitgeschichte 39/2025, Bundeszentrale für politische Bildung · Stand 19.09.2025, abgerufen 25.09.2026
  4. Aus Politik und Zeitgeschichte 39/2025, Auch Demokraten betreiben Propaganda, Bundeszentrale für politische Bildung · Stand 19.09.2025, abgerufen 25.09.2026
  5. Deutsches Historisches Museum, LeMO, NS-Propaganda · abgerufen 25.09.2026
  6. Wikipedia, Edward Bernays (Buch Propaganda 1928, Begriff Public Relations) · abgerufen 25.09.2026
  7. Wikipedia, Crystallizing Public Opinion (Bernays' Bericht über Goebbels in seinen Erinnerungen Biography of an Idea, 1965) · abgerufen 25.09.2026
  8. Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb, § 5a Absatz 4 · abgerufen 25.09.2026
  9. Deutscher Presserat, Publizistische Grundsätze (Pressekodex), Ziffern 3 und 7, Fassung vom 19. März 2025 · Stand 19.03.2025, abgerufen 25.09.2026
  10. Institute for Propaganda Analysis, die sieben Propagandatechniken (1937 bis 1942), Übersicht der New-York Historical Society · abgerufen 25.09.2026
  11. Auswärtiges Amt, Technischer Bericht: Deutschland im Fokus der pro-russischen Desinformationskampagne Doppelgänger, 5. Juni 2024 · Stand 05.06.2024, abgerufen 25.09.2026
  12. Hannah Arendt, The Origins of Totalitarianism, 1951, Teil 3, Kapitel 13 (Ideology and Terror) · Stand 01.01.1951, abgerufen 25.09.2026
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Für Referat und Hausarbeit

quickpedia.de: "Propaganda - Wie sie funktioniert und wie man sie erkennt". Stand: 25.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/politik/propaganda (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 25. September). Propaganda - Wie sie funktioniert und wie man sie erkennt. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/propaganda

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