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Links und rechts

Sitzreihen im Plenarsaal des Deutschen Bundestags
Links und rechts gehen auf die Sitzordnung der französischen Nationalversammlung von 1789 zurück, hier der Plenarsaal des Bundestags (Foto: Muratti93 / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Links und rechts kommen aus der französischen Nationalversammlung von 1789, in der die Anhänger eines starken Königs rechts und die Befürworter weitergehender Veränderungen links vom Präsidenten saßen. Heute stehen die Begriffe vor allem für die Haltung zur Gleichheit. Links gilt soziale Gerechtigkeit als Ziel, rechts eher Marktfreiheit, Ordnung und Tradition.

Links und rechts sind die beiden Richtungen, in die sich politische Haltungen sortieren lassen, und sie kommen wörtlich von einer Sitzordnung. In der französischen Nationalversammlung haben sich die Abgeordneten am 28. August 1789 in zwei Lager geteilt. Wer dem König ein absolutes Vetorecht geben wollte, hat sich rechts vom Präsidenten gesetzt. Wer die Macht des Königs begrenzen und die Revolution weitertreiben wollte, saß links. Aus der Platzwahl ist ein Etikett geworden, das bis heute benutzt wird. In der Frankfurter Paulskirche haben sich die Abgeordneten 1848 bereits nach Richtungen in Klubs zusammengefunden. Die Klubs waren nach ihren Versammlungsorten benannt, vom konservativen "Café Milani" bis zum radikal-republikanischen "Donnersberg".

Was die beiden Seiten trennt

Der italienische Philosoph Norberto Bobbio hat 1994 in seinem Buch "Rechts und Links" einen Kern herausgearbeitet, auf den sich die meisten Unterschiede zurückführen lassen. Es ist die Haltung zur Gleichheit. Für die Linke ist es ein Ziel, Ungleichheiten zwischen Klassen, Herkunft und Geschlecht abzubauen. Die Rechte nimmt Unterschiede zwischen Menschen eher als gegeben hin.

Die heutige Politikwissenschaft fasst die Streitfragen meist in zwei Grundkonflikten zusammen. Der erste betrifft die Wirtschaft und die Verteilung. Der zweite betrifft Werte und die Frage, wie die Gesellschaft zusammenleben soll.

Links

In der Wirtschaft steht soziale Gerechtigkeit im Vordergrund, der Staat soll umverteilen. Bei den Werten überwiegen libertäre Haltungen, die dem Einzelnen möglichst viel Freiheit in der Lebensführung lassen.

Rechts

In der Wirtschaft steht die Freiheit des Marktes im Vordergrund. Bei den Werten überwiegen konservative und autoritäre Haltungen, die Ordnung, Tradition und Autorität betonen.

Bei den meisten Parteien passen die beiden Achsen zusammen. Wer wirtschaftlich links steht, ist meist auch bei den Werten libertär, und umgekehrt. Es gibt aber Ausnahmen, und für sie reicht eine einzige Linie nicht aus. Seit dem späten 20. Jahrhundert haben sich außerdem in vielen Ländern zwei neue Strömungen dauerhaft etabliert, die grünen Parteien und die rechtspopulistischen Parteien. Wie schwer eine neue Partei einzuordnen sein kann, zeigt das Beispiel Volt.

Wie der Bundestag sitzt

Die Sitzordnung von 1789 wirkt bis heute in vielen Parlamenten nach, auch im Bundestag. Wo eine Fraktion sitzt, wird dort ausgehandelt, und es ist ein politisches Signal. Das zeigt der Streit, der 2021 um die FDP entbrannt ist.

2017 ist die AfD neu in den Bundestag eingezogen und hat den Platz ganz rechts bekommen. Die FDP hat vom Präsidium aus gesehen zwischen der Union und der AfD gesessen. Am 16. Dezember 2021 hat der Bundestag die Sitzordnung auf Antrag von SPD, Grünen und FDP geändert. Die FDP ist zwischen die Grünen und die Union gerückt, und die Union saß seitdem direkt neben der AfD. Die Union hat den Antrag abgelehnt. Die neue Reihenfolge von links nach rechts war Die Linke, SPD, Grüne, FDP, CDU/CSU und AfD. Seit der Wahl 2025 ist die FDP nicht mehr im Bundestag vertreten, und es gibt dort noch fünf Fraktionen.

Halbkreis mit den 630 Sitzen des Bundestags, vom Präsidium aus gesehen von links nach rechts: Die Linke 64 Sitze, SPD 120, Grüne 85, CDU/CSU 208 und AfD 150. Drei Abgeordnete sind fraktionslos. Die Linke sitzt ganz links und die AfD ganz rechts.

Wo radikal und extrem anfangen

Wo auf der Skala eine Partei steht, ist die eine Frage. Die andere ist, wie sie zur Demokratie steht. Dafür unterscheidet der Verfassungsschutz zwischen radikal und extrem.

Radikal ist, wer Probleme von der Wurzel her angehen will, lateinisch "radix". Wer etwa die Wirtschaftsordnung grundsätzlich infrage stellt, ist damit noch kein Extremist. Radikale Auffassungen haben in einer pluralistischen Gesellschaft ihren legitimen Platz. Extremistisch ist dagegen, wer die freiheitliche demokratische Grundordnung beseitigen will. Dazu gehören unter anderem freie Wahlen, das Recht auf Opposition und unabhängige Gerichte. Die Unterscheidung gilt für links und rechts gleichermaßen. Mehr dazu steht unter Rechtsradikal vs. rechtsextrem.

Irrtum: Rechtsextrem ist einfach nur sehr weit rechts

Nein. Extrem beschreibt nicht, wie weit rechts oder links jemand steht, sondern die Haltung zur Demokratie. Extremistisch ist, wer die Grundordnung beseitigen will, egal von welcher Seite. Wie sich die beiden großen Ideologien an den Rändern zueinander verhalten, ist umstritten. Einen Überblick über die Debatte gibt Kommunismus vs. Faschismus.

Das Links-rechts-Schema ist grob, aber weit verbreitet. Es erlaubt, Parteien und Positionen schnell einzuordnen. Über die Frage, ob jemand die Regeln der Demokratie achtet, sagt es aber nichts. Dafür braucht es den zweiten Blick auf die Grenze zwischen radikal und extrem.

Was hast Du gelernt?
  1. Woher kommen die Bezeichnungen links und rechts?

  2. Welche Frage steht nach Norberto Bobbio im Kern des Unterschieds?

  3. Was hat der Bundestag im Dezember 2021 an seiner Sitzordnung geändert?

  4. Was unterscheidet laut Verfassungsschutz radikal von extrem?

Quellen 8
  1. Wikipedia, Nationalversammlung (Frankreich), Sitzordnung vom 28. August 1789 · abgerufen 24.09.2026
  2. Bundeszentrale für politische Bildung, Pocket Politik, Politische Parteien: Begriff und Typologien (Rechts-Links-Schema) · abgerufen 24.09.2026
  3. taz, Norberto Bobbios "Rechts und Links": Das Problem der Gleichheit · abgerufen 24.09.2026
  4. Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung, Vorparlament und Paulskirche · abgerufen 24.09.2026
  5. Deutscher Bundestag, CDU/CSU und FDP müssen im Plenarsaal die Plätze tauschen, 16. Dezember 2021 · Stand 16.12.2021, abgerufen 24.09.2026
  6. Deutscher Bundestag, Sitzverteilung des 21. Deutschen Bundestages · abgerufen 24.09.2026
  7. Bundesamt für Verfassungsschutz, Glossar, Extremismus · abgerufen 24.09.2026
  8. Bundeszentrale für politische Bildung, Pro Extremismusmodell: Vergleich von Strukturmerkmalen · abgerufen 24.09.2026
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quickpedia.de. (2026, 3. Oktober). Links und rechts - Woher die Begriffe kommen und was sie heute bedeuten. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/links-und-rechts

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