Islamophobie

Islamophobie bezeichnet Ablehnung und Feindschaft gegenüber dem Islam und gegenüber Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden. Weil das Wort nach krankhafter Angst klingt, sprechen Fachleute in Deutschland zunehmend von Muslimfeindlichkeit. Sachliche Kritik an einer Religion ist davon zu unterscheiden.
Islamophobie bezeichnet Ablehnung und Feindschaft gegenüber dem Islam und vor allem gegenüber Menschen, die als Muslime wahrgenommen werden. Sie schreibt allen Musliminnen und Muslimen dieselben Eigenschaften zu, etwa Gewaltbereitschaft oder die Absicht, das Land zu "islamisieren". Das reicht von abfälligen Bemerkungen über Benachteiligung am Arbeitsmarkt, etwa wegen eines Kopftuchs, bis zu Angriffen auf Menschen und Moscheen. Wie beim Antisemitismus, beim Antiziganismus und bei der Homophobie wird dabei aus einer vielfältigen Gruppe von Menschen ein einziges Feindbild.
Warum das Wort umstritten ist
Den englischen Begriff "islamophobia" hat 1997 der britische Thinktank Runnymede Trust bekannt gemacht. Er ist bald in die Kritik geraten, weil "Phobie" eine übertriebene Angst nahelegt, also etwas, wofür man kaum etwas kann. Gemeint sind aber Ressentiments, die Folgen für andere haben. In Deutschland hat sich deshalb früh das Wort Islamfeindlichkeit durchgesetzt.
Heute sprechen Fachleute zunehmend von Muslimfeindlichkeit. Das Wort macht deutlich, dass es nicht um eine Religion als Lehre geht, sondern um Menschen. Getroffen werden dabei auch Menschen, die nur für Muslime gehalten werden. Manche sprechen deshalb von antimuslimischem Rassismus. Ein Expertenkreis im Auftrag des Bundesinnenministeriums hat 2023 einen 400 Seiten starken Bericht zu dem Thema vorgelegt und dabei den Begriff Muslimfeindlichkeit gewählt.
Nein. Kritik an religiösen Lehren oder an bestimmten Strömungen wie dem Salafismus ist zulässig, und auch der Expertenkreis der Bundesregierung stellt das ausdrücklich fest. Umgekehrt ist aber nicht alles Kritik, was sich so nennt. Die Pegida-Bewegung ("Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes") ist anfangs oft als "islamkritisch" bezeichnet worden. Im Mai 2021 hat das Landesamt für Verfassungsschutz Sachsen sie als "erwiesene extremistische Bestrebung" eingestuft.
Kritik oder Feindschaft
Wo die Grenze verläuft, lässt sich an der Richtung der Aussage erkennen. Kritik richtet sich gegen eine Lehre, eine Praxis oder eine Organisation und bleibt bei der Sache. Feindschaft richtet sich gegen Menschen und schließt vom Glauben auf ihren Charakter.
Zwei Sätze über dieselbe Religion
Kritik
"Diese Moscheegemeinde wird von einer Organisation finanziert, die Frauen die Gleichberechtigung abspricht." Sie nennt einen konkreten Sachverhalt, den man prüfen und widerlegen kann.
Feindschaft
"Muslime wollen Deutschland unterwandern." Sie spricht über alle Muslime zugleich und schreibt ihnen eine gemeinsame böse Absicht zu.
Ein Warnzeichen ist das Wort "Islamisierung". Es unterstellt, eine Minderheit arbeite planvoll daran, die Mehrheit zu verdrängen. Damit ähnelt es dem Muster einer Verschwörungstheorie. Wer wissen will, ob es "Moslem" oder "Muslim" heißt, findet die Antwort in einem eigenen Beitrag.
Wie verbreitet Muslimfeindlichkeit ist
Muslimfeindliche Einstellungen sind in Deutschland keine Randerscheinung. Laut dem Bericht des Expertenkreises nimmt seit Jahren rund die Hälfte der Bevölkerung den Islam pauschal als Bedrohung wahr. Die Leipziger Autoritarismus-Studie hat 2024 einen Anstieg gemessen, vor allem im Westen.
Leipziger Autoritarismus-Studie 2024 und Bundesregierung (vorläufige Zahlen für 2025)
Die Polizei erfasst islamfeindliche Straftaten seit 2017 in einer eigenen Kategorie. Zivilgesellschaftliche Meldestellen zählen auch Vorfälle unterhalb der Strafbarkeit und kommen deshalb auf deutlich höhere Zahlen.
Warum ist das Wort "Islamophobie" umstritten?
Welchen Begriff hat der Expertenkreis der Bundesregierung 2023 gewählt?
Was unterscheidet Kritik am Islam von Muslimfeindlichkeit?
Quellen 5
- Unabhängiger Expertenkreis Muslimfeindlichkeit, Muslimfeindlichkeit - Eine deutsche Bilanz, Abschlussbericht im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, 2023 · Stand 29.06.2023, abgerufen 24.09.2026
- Sächsisches Staatsministerium des Innern, Landesamt für Verfassungsschutz stuft Pegida zur erwiesenen extremistischen Bestrebung ein, Medieninformation · Stand 07.05.2021, abgerufen 24.09.2026
- Heinrich-Böll-Stiftung, Die Leipziger Autoritarismus-Studie 2024: Methoden, Ergebnisse und Langzeitverlauf · Stand 13.11.2024, abgerufen 24.09.2026
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/6530, Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage zu Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Straftaten im ersten Quartal 2026 · Stand 16.06.2026, abgerufen 24.09.2026
- Deutscher Bundestag, Drucksache 21/4441, Antwort der Bundesregierung zu Islamfeindlichkeit und antimuslimischen Straftaten im vierten Quartal 2025 · Stand 27.02.2026, abgerufen 24.09.2026
Diese Seite zitieren
quickpedia.de: "Islamophobie - Bedeutung, Kritik am Begriff und Verbreitung". Stand: 24.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/politik/islamophobie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 24. September). Islamophobie - Bedeutung, Kritik am Begriff und Verbreitung. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/islamophobie
Fehler melden / Ergänzung vorschlagen
Danke, wir sehen uns das an.