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Homophobie

Mehrere Hände mit bunten Armbändern halten kleine Fahnen in den blauen Himmel, darunter die Regenbogenfahne und weitere Pride-Flaggen in Rosa, Violett und Blau
Die Regenbogenfahne und weitere Pride-Flaggen. Sie stehen heute für Rechte, die homosexuelle Menschen in Deutschland lange nicht hatten (Foto: vetre / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Homophobie bezeichnet die Ablehnung homosexueller Menschen, von abfälligen Witzen über rechtliche Benachteiligung bis zur Gewalt. In Deutschland waren sexuelle Handlungen zwischen Männern von 1872 bis 1994 strafbar.

Homophobie bezeichnet die ablehnende Haltung gegenüber Homosexualität und gegenüber Menschen, die schwul oder lesbisch sind. Sie reicht von angeblichen Witzen über herabwürdigende Bemerkungen und Pöbeleien bis zu rechtlicher Ungleichbehandlung und offener Gewalt. Die Sozialwissenschaften zählen sie wie Antisemitismus, Antiziganismus und Muslimfeindlichkeit zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit. Gemeint ist die Abwertung von Menschen allein wegen der Gruppe, der sie angehören.

Warum das Wort nicht ganz passt

Geprägt hat den Begriff der amerikanische Psychotherapeut George Weinberg im Jahr 1972. Er setzt sich aus dem griechischen "homo" für gleich und "phobos" für Angst zusammen. Wie bei der Islamophobie führt die Endung aber in die Irre. Eine Phobie ist eine Angststörung, für die der Betroffene wenig kann. Homophobie ist dagegen eine Haltung, und sie hat Folgen für andere.

Das Bundeskriminalamt spricht von queerfeindlichen Straftaten. Es fasst darunter Taten gegen die sexuelle Orientierung und gegen die geschlechtliche Vielfalt zusammen, also auch gegen bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen.

Irrtum: Homosexualität ist eine Krankheit

Nein. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat Homosexualität am 17. Mai 1990 aus ihrem Diagnoseschlüssel für Krankheiten gestrichen. Heute ist der 17. Mai deshalb der Internationale Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie.

Wie lange der Staat bestraft hat

In Deutschland war Homophobie lange nicht nur Einstellung, sondern Gesetz. Der Paragraf 175 des Strafgesetzbuchs hat sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe gestellt, und zwar mehr als 120 Jahre lang.

Der Paragraf 175 und seine Folgen

  • 1872Mit dem Reichsstrafgesetzbuch wird die sogenannte widernatürliche Unzucht zwischen Männern strafbar.
  • 1935Die Nationalsozialisten verschärfen den Paragrafen und nutzen ihn zur systematischen Verfolgung schwuler Männer.
  • 1949 bis 1969Die Bundesrepublik übernimmt die verschärfte Fassung von 1935 unverändert. Nach Schätzungen werden in dieser Zeit mehr als 50.000 Männer verurteilt.
  • späte 1950er JahreIn der DDR wird der Paragraf gegenüber Erwachsenen nicht mehr angewandt.
  • 1969Die Bundesrepublik entschärft den Paragrafen zum ersten Mal.
  • 1994Nach der Wiedervereinigung wird der Paragraf 175 vollständig abgeschafft.
  • 2002Die Urteile aus der NS-Zeit werden aufgehoben. Die Urteile aus der Bundesrepublik bleiben vorerst bestehen.
  • 30. Juni 2017Der Bundestag beschließt die Ehe für alle. Seitdem dürfen auch gleichgeschlechtliche Paare heiraten.
  • 2017Ein Gesetz hebt auch die Urteile auf, die nach 1945 gefällt worden sind, und sieht eine Entschädigung vor.

Die Entschädigung beträgt 3.000 Euro je aufgehobenem Urteil und 1.500 Euro für jedes angefangene Jahr im Gefängnis. Zwischen dem Ende der Verfolgung durch die Nationalsozialisten und der Aufhebung der Urteile aus der Bundesrepublik lagen mehr als siebzig Jahre.

Wie verbreitet Queerfeindlichkeit heute ist

Die rechtliche Gleichstellung hat die Feindschaft nicht beendet. Das Bundeskriminalamt hat für 2025 insgesamt 2.377 queerfeindliche Straftaten erfasst, 12,8 Prozent mehr als im Jahr davor. Auffällig ist dabei der hohe Anteil von Gewaltdelikten, der deutlich über dem Durchschnitt aller politisch motivierten Straftaten liegt. Die Sicherheitsbehörden beobachten außerdem, dass rechtsextremistische Gruppierungen zunehmend gegen die queere Gemeinschaft mobil machen.

Die Polizei zählt allerdings nur, was angezeigt wird und strafbar ist. Anfeindungen unterhalb der Strafbarkeit und alles, was niemand anzeigt, tauchen in dieser Zahl nicht auf.

Was hast Du gelernt?
  1. Warum ist das Wort "Homophobie" eigentlich ungenau?

  2. Wie lange waren sexuelle Handlungen zwischen Männern in Deutschland strafbar?

  3. Wofür steht der 17. Mai?

Quellen 6
  1. Brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung, Lexikon: Homophobie · abgerufen 24.09.2026
  2. Bundeszentrale für politische Bildung, 17. Mai: Internationaler Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie · Stand 12.05.2026, abgerufen 24.09.2026
  3. Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Rehabilitation · abgerufen 24.09.2026
  4. Gesetz zur strafrechtlichen Rehabilitierung der nach dem 8. Mai 1945 wegen einvernehmlicher homosexueller Handlungen verurteilten Personen (StrRehaHomG), 2017 · abgerufen 24.09.2026
  5. Deutscher Bundestag, Mehrheit im Bundestag für die Ehe für alle, 30. Juni 2017 · Stand 30.06.2017, abgerufen 24.09.2026
  6. Bundeskriminalamt, Politisch motivierte Kriminalität 2025 (Fallzahlen) · abgerufen 24.09.2026
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Für Referat und Hausarbeit

quickpedia.de: "Homophobie - Bedeutung, Geschichte und Gegenwart". Stand: 24.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/politik/homophobie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 24. September). Homophobie - Bedeutung, Geschichte und Gegenwart. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/homophobie

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