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Diktatur

Ein großes Gebäude mit Säulenfassade, auf dem Dach eine überlebensgroße nordkoreanische Flagge und rote Schriftzeichen, an der Front zwei lange Flaggenbanner, davor ein weiter, fast leerer Platz mit einzelnen Passanten
Das Gebäude des Zentralkomitees der Partei der Arbeit Koreas in Pjöngjang im Juli 2025. Auf dem Dach steht "Es lebe die Demokratische Volksrepublik Korea!" (Foto: Elena Milovidova / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Eine Diktatur ist eine Herrschaft, in der eine Person, eine Partei oder das Militär die Macht dauerhaft und ohne Kontrolle ausübt. Es gibt keine Gewaltenteilung, keine freien Wahlen und keine erlaubte Opposition. Das Wort stammt aus dem alten Rom, wo der Diktator ein Notamt auf höchstens sechs Monate war.

Eine Diktatur ist eine Herrschaftsform, in der eine einzelne Person, eine Partei oder das Militär die Macht im Staat dauerhaft und ohne Kontrolle ausübt. Niemand kann die Herrschenden in einer freien Wahl wieder loswerden. Es gibt keine Opposition, die etwas zu sagen hätte, keine freie Presse und keine unabhängigen Gerichte, die den Mächtigen Grenzen setzen. Wer die Regierung kritisiert, riskiert Gefängnis oder Schlimmeres. Das Gegenstück ist die Demokratie, in der die Macht nur auf Zeit verliehen wird.

Woher das Wort kommt

Das Wort stammt aus dem alten Rom und hatte dort einen ganz anderen Klang. Der "dictator" war in der römischen Republik ein Amt für den Notfall. Drohte ein Krieg oder ein Aufstand, hat einer der beiden Konsuln auf Beschluss des Senats einen Diktator ernannt. Der bekam weitreichende Vollmachten, aber höchstens für sechs Monate und meist für eine bestimmte Aufgabe. War die erledigt, musste er das Amt niederlegen, oft schon nach wenigen Tagen.

Erst am Ende der Republik ist diese Grenze gefallen. Sulla hat sich 82 vor Christus ohne zeitliche Befristung zum Diktator machen lassen, und Julius Cäsar hat sich im Februar 44 vor Christus die Diktatur auf Lebenszeit übertragen lassen. Wenige Wochen später, an den Iden des März, ist er ermordet worden. Seitdem steht das Wort für eine Macht, die dauerhaft und unkontrolliert ausgeübt wird.

Woran man eine Diktatur erkennt

Eine Diktatur lässt sich an wenigen Merkmalen erkennen, und sie hängen zusammen. Die Staatsgewalt liegt in einer Hand. Es gibt also keine Gewaltenteilung zwischen Regierung, Parlament und Gerichten. Eine legale Opposition fehlt, weil andere Parteien, freie Medien und unabhängige Verbände verboten oder gleichgeschaltet sind. An die Stelle des Rechtsstaats tritt ein Polizeistaat, in dem die Herrschenden selbst bestimmen, was gilt und wen die Polizei verfolgt.

Im Alltag zeigt sich das an Dingen, die in einer Demokratie selbstverständlich sind. Man kann nicht offen sagen, dass die Regierung schlecht arbeitet. Man kann keine Partei gründen, die gegen sie antritt. Wer es trotzdem versucht, wird festgenommen, verschleppt oder ins Gefängnis gebracht.

Diktatur erkennen in sieben Fragen
  • Kann die Regierung abgewählt werden, und ist das schon einmal passiert?
  • Dürfen Parteien antreten, die die Regierung offen ablehnen?
  • Gibt es Zeitungen, Sender oder Websites, die die Regierung kritisieren und trotzdem weiterarbeiten?
  • Entscheiden Gerichte auch gegen die Regierung?
  • Kann man auf der Straße demonstrieren, ohne verhaftet zu werden?
  • Ist die Verfassung zuletzt geändert worden, um die Amtszeit des Machthabers zu verlängern?
  • Verschwinden Kritiker, oder sitzen sie im Gefängnis?
    Je mehr Fragen mit Nein oder mit "eigentlich nicht" beantwortet werden, desto weiter ist ein Land von einer Demokratie entfernt.

Welche Formen es gibt

Diktaturen sehen nicht alle gleich aus. Die Forschung sortiert sie meistens danach, wer die Macht trägt. In einer Militärdiktatur regiert eine Gruppe von Offizieren, meist nach einem Putsch. Argentinien zwischen 1976 und 1983 und Chile unter Augusto Pinochet von 1973 bis 1990 sind Beispiele dafür. In Myanmar hat das Militär am 1. Februar 2021 erneut die Macht übernommen, am Tag, an dem das neu gewählte Parlament zusammentreten sollte.

In einer Einparteiendiktatur regiert eine einzige Partei, die mit dem Staat verschmilzt. So war es mit der SED in der DDR, die ab 1949 alle politische Macht in Händen hielt, bis sie sie im Herbst 1989 verloren hat. In einer personalistischen Diktatur ist alles auf eine Führungsfigur zugeschnitten, um deren Namen oft ein Kult entsteht. Nordkorea ist das bekannteste heutige Beispiel. Seit der Staatsgründung 1948 regiert dort dieselbe Familie, auf Kim Il Sung sind sein Sohn Kim Jong Il und sein Enkel Kim Jong Un gefolgt.

Die zweite Sortierung fragt, wie tief die Herrschaft in das Leben der Menschen eingreift. Eine autoritäre Diktatur will vor allem die Macht behalten. Sie duldet ein begrenztes Maß an Vielfalt, solange niemand sie herausfordert. Eine totalitäre Diktatur will dagegen den ganzen Menschen. Sie hat eine Ideologie, die jeden Lebensbereich erklären soll, eine Massenpartei, eine Geheimpolizei, die Terror ausübt, und das Monopol über alle Nachrichten. Sie verlangt Begeisterung, nicht nur Gehorsam. Der Nationalsozialismus und die Sowjetunion unter Stalin gelten als die klassischen Fälle, mehr dazu unter Totalitarismus.

Irrtum: Diktatoren putschen sich immer an die Macht

Viele tun das, aber nicht alle. Hitler ist 1933 nicht durch einen Putsch an die Macht gekommen. Er ist am 30. Januar 1933 von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt worden. Die Demokratie hat er danach von innen abgeräumt. Diesen Weg gehen auch viele heutige Machthaber. Sie gewinnen eine Wahl, schwächen dann Gerichte und Presse und lassen weiter wählen, nur ohne echte Chance für die Gegenseite.

Diktatur, Autokratie, Demokratie

Im Alltag rutschen die Begriffe ineinander. In der Forschung ist Autokratie der weitere Begriff. Er umfasst alle Staaten, in denen die Bevölkerung die Regierung nicht in freien und fairen Wahlen abwählen kann, auch solche, die Wahlen nur zum Schein abhalten. Diktatur meint die offene Form, in der die Macht ohne wirksame Schranke ausgeübt wird.

Demokratie

Die Macht wird auf Zeit verliehen und kann durch Wahlen entzogen werden. Opposition, Presse und Gerichte sind frei.

Autokratie

Sammelbegriff für alle Staaten ohne freie und faire Wahlen. Wahlen können stattfinden, entscheiden aber nichts.

Diktatur

Die Macht liegt offen und unbeschränkt bei einer Person, einer Partei oder dem Militär. Opposition ist verboten, Kritik wird bestraft.

Wie viele Menschen betrifft das? Das Institut Varieties of Democracy, kurz V-Dem, an der Universität Göteborg zählt jedes Jahr nach. Es stützt sich dabei auf die Einschätzungen von mehr als 4.200 Fachleuten und teilt die Welt in vier Gruppen ein, von der liberalen Demokratie bis zur geschlossenen Autokratie.

74 Prozentder Weltbevölkerung leben in Autokratien, rund 6 Milliarden Menschen
92 von 179untersuchten Staaten sind Autokratien, davon 35 geschlossene
44 Länderentwickeln sich weg von der Demokratie, fast ein Viertel aller Staaten
7 Prozentleben in einer liberalen Demokratie

V-Dem Democracy Report 2026, Stand Ende 2025

Die Zahl ist so hoch, weil sehr große Länder dazugehören. China ist eine geschlossene Autokratie, Indien stuft V-Dem als Wahlautokratie ein. In geschlossenen Autokratien leben inzwischen mehr Menschen als in allen Demokratien zusammen. Seit Anfang der 2010er Jahre gibt es mehr Länder, die sich von der Demokratie entfernen, als Länder, die demokratischer werden. Der Höchststand ist 2021 mit 50 Ländern erreicht worden.

Drei von vier Menschen leben in einer Autokratie: 46 Prozent in Wahlautokratien und 28 Prozent in geschlossenen Autokratien. 19 Prozent leben in Wahldemokratien und 7 Prozent in liberalen Demokratien. Von 179 Staaten sind 31 liberale Demokratien, 56 Wahldemokratien, 57 Wahlautokratien und 35 geschlossene Autokratien.

Warum Diktaturen sich halten

Von außen sieht eine Diktatur aus, als hielte sie sich nur mit Gewalt. Das stimmt selten ganz. Die Forschung nennt drei Säulen, auf denen solche Regime stehen. Die erste ist Unterdrückung, die über die Angst wirkt. Die zweite ist Einbindung, denn wer wichtig ist und mitmacht, bekommt Posten, Aufträge oder Privilegien. Die dritte ist Rechtfertigung. Das Regime erklärt sich zum Retter der Nation, zum Garanten von Ordnung und Wohlstand oder zum Vollstrecker einer Idee, und viele Menschen glauben das. In fast jeder Diktatur gibt es deshalb Leute, die das System aufrichtig unterstützen, und nicht nur solche, die es aus Furcht dulden.

Die drei Säulen stützen sich gegenseitig. Das macht Diktaturen zäh, aber es macht sie auch anfällig. Wenn die Wirtschaft nicht mehr liefert, verliert die Einbindung ihren Reiz, und die Rechtfertigung klingt hohl. Dann bleibt nur noch die Angst, und wenn die nachlässt, kann es schnell gehen. Im Herbst 1989 sind in der DDR Hunderttausende auf die Straße gegangen. Wenige Wochen nach dem Mauerfall am 9. November ist die gesamte SED-Führung zurückgetreten.

Was hast Du gelernt?
  1. Was war ein Diktator im alten Rom?

  2. Wer hat Hitler 1933 an die Macht gebracht?

  3. Was unterscheidet eine totalitäre von einer autoritären Diktatur?

  4. Welcher Begriff ist weiter gefasst, Diktatur oder Autokratie?

Quellen 15
  1. Johannes Gerschewski, Was ist Autoritarismus?, Aus Politik und Zeitgeschichte, Bundeszentrale für politische Bildung, 21. August 2026 · Stand 21.08.2026, abgerufen 24.09.2026
  2. Wikipedia, Römischer Diktator (Amtszeit, Ernennung, Abdikationspflicht) · abgerufen 24.09.2026
  3. Bundeszentrale für politische Bildung, Lexikon in einfacher Sprache, Diktatur · abgerufen 24.09.2026
  4. Bundeszentrale für politische Bildung, Das junge Politik-Lexikon, Diktatur/Diktator · abgerufen 24.09.2026
  5. Bundeszentrale für politische Bildung, Vor 40 Jahren: Beginn der Militärdiktatur in Argentinien · abgerufen 24.09.2026
  6. Bundeszentrale für politische Bildung, Vom Umgang mit der Diktaturvergangenheit (Chile 1973 bis 1990) · abgerufen 24.09.2026
  7. Bundeszentrale für politische Bildung, Militärputsch in Myanmar · abgerufen 24.09.2026
  8. Bundeszentrale für politische Bildung, DDR kompakt, Die SED · abgerufen 24.09.2026
  9. Bundeszentrale für politische Bildung, DDR kompakt, Das Ende der SED und die Wandlung zur PDS · abgerufen 24.09.2026
  10. Bundeszentrale für politische Bildung, Kosmos Weltalmanach, Kim Jong-un · abgerufen 24.09.2026
  11. Bundeszentrale für politische Bildung, 15. August 1948: Gründung der Republik Korea · abgerufen 24.09.2026
  12. Deutsches Historisches Museum, LeMO, Ernennung Hitlers zum Reichskanzler · abgerufen 24.09.2026
  13. Bundeszentrale für politische Bildung, Totalitarismus (Kriterien nach Friedrich und Brzezinski) · abgerufen 24.09.2026
  14. Johannes Gerschewski, The three pillars of stability: legitimation, repression, and co-optation in autocratic regimes, Democratization 20 (1), 2013 · Stand 01.01.2013, abgerufen 24.09.2026
  15. V-Dem Institute, Universität Göteborg, Democracy Report 2026: Unraveling The Democratic Era? · Stand 01.03.2026, abgerufen 24.09.2026
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quickpedia.de. (2026, 24. September). Diktatur - Definition, Merkmale und Beispiele. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/diktatur

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