Demokratie

Demokratie ist eine Herrschaftsform, in der alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht und die Regierung in freien Wahlen bestimmt und wieder abgewählt werden kann. Dazu gehört, dass auch die Mehrheit an Grundrechte, unabhängige Gerichte und eine freie Presse gebunden bleibt. Ende 2025 lebten nach der Zählung von V-Dem 26 Prozent der Menschen in einer Demokratie.
Demokratie ist die Herrschaftsform, in der alle Staatsgewalt vom Volk ausgeht. Wer regiert, ist in freien, gleichen und geheimen Wahlen bestimmt worden und kann in der nächsten Wahl wieder abgewählt werden. Das ist die eine Hälfte. Die andere Hälfte ist, dass auch die gewählte Mehrheit nicht alles darf. Grundrechte, unabhängige Gerichte, eine freie Presse und eine Opposition, die ungestört arbeiten kann, setzen ihr Grenzen. Demokratie ist deshalb nicht einfach die Herrschaft der Mehrheit, sondern die Herrschaft der Mehrheit unter Regeln, die sie nicht allein ändern kann.
Woher das Wort kommt
Das Wort stammt aus dem Griechischen. "Demos" heißt Volk und "kratos" heißt Herrschaft. Erfunden haben die Sache die Athener. Mit den Reformen des Kleisthenes 508/507 vor Christus hat in Athen eine Ordnung begonnen, in der die Bürger in der Volksversammlung selbst über Gesetze abgestimmt haben. Sie haben Beamte gewählt, ihre Amtsführung geprüft und Richter bestimmt. Viele Ämter sind verlost worden. Auch die Gerichte hat jedes Jahr ein Los aus 6.000 Bürgern besetzt.
Volk hieß in Athen allerdings nicht alle. Zur Zeit des Perikles haben rund 200.000 Menschen in Athen gelebt, aber nur etwa 30.000 von ihnen sind Vollbürger mit politischen Rechten gewesen. Frauen, Sklaven und Zugezogene ohne Bürgerrecht haben keine Stimme gehabt. Damit ist die große Mehrheit der Bevölkerung ausgeschlossen geblieben. Auch Grundrechte, die eine Minderheit vor der Mehrheit schützen, hat die Antike nicht gekannt.
Woran man eine Demokratie erkennt
Die Merkmale einer Demokratie gehören zusammen. Fehlt eines, ist ein Land nicht halb demokratisch, sondern auf dem Weg woandershin.
- Freie, gleiche und geheime Wahlen in festen Abständen, mit echter Auswahl
- Ein friedlicher Machtwechsel, wenn die Regierung eine Wahl verliert
- Gewaltenteilung zwischen Parlament, Regierung und unabhängigen Gerichten
- Grundrechte, die auch gegen die Mehrheit einklagbar sind
- Eine Presse, die die Regierung kritisieren kann, ohne bestraft zu werden
- Eine Opposition, die legal ist und für ihre Ziele werben darf
Das Grundgesetz fasst den Kern in Artikel 20 zusammen. Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus, und sie wird in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt. Für eine Änderung des Grundgesetzes braucht es zwei Drittel im Bundestag und im Bundesrat. Artikel 79 legt außerdem fest, dass die Grundsätze aus Artikel 1 und Artikel 20 selbst mit dieser Mehrheit nicht angetastet werden dürfen. Man nennt das die Ewigkeitsklausel.
Die Klausel hat einen Grund. Am 23. März 1933 hat der Reichstag das Ermächtigungsgesetz mit 444 zu 94 Stimmen angenommen, also mit der Zweidrittelmehrheit, die eine Verfassungsänderung damals brauchte. Damit durfte die Regierung Hitler Gesetze ohne das Parlament erlassen. Die erste deutsche Demokratie ist auf einem Weg abgeschafft worden, der formal nach den Regeln aussah.
Nein. Eine Mehrheit, die Minderheiten die Rechte nimmt, Gerichte gleichschaltet oder die nächste Wahl abschafft, handelt mit Mehrheit und trotzdem nicht demokratisch. Demokratie lebt davon, dass die Mehrheit von heute die Minderheit von morgen sein kann. Dafür müssen die Regeln für alle gleich bleiben. Wer sie so ändert, dass er nicht mehr verlieren kann, hat das Spiel beendet und nicht gewonnen.
Direkt oder vertreten
Athen ist eine direkte Demokratie gewesen, denn die Bürger haben selbst abgestimmt. Das ging mit einigen tausend Menschen auf einem Hügel, der Pnyx. Mit vielen Millionen geht es nicht. Moderne Demokratien sind deshalb meist repräsentativ. Die Bürger wählen Abgeordnete, die für sie entscheiden, und ziehen sie bei der nächsten Wahl zur Rechenschaft.
Die Schweiz mischt beides. Dort stimmen die Bürger in der Regel viermal im Jahr über Sachfragen ab, meist über mehrere Vorlagen am selben Sonntag. In Deutschland sind Volksentscheide vor allem in den Ländern und Gemeinden möglich. Auf Bundesebene sieht das Grundgesetz einen Volksentscheid nur für eine Neugliederung der Länder vor. Der Parlamentarische Rat hat das 1948 und 1949 bewusst so entschieden. Theodor Heuss hat Volksabstimmungen in einem großen Staat damals eine "Prämie für jeden Demagogen" genannt und sich dabei auf die Erfahrungen der Weimarer Republik berufen. Neuere Forschung nennt als weiteren Grund die Sorge vor kommunistischen Kampagnen im beginnenden Kalten Krieg.
Direkte Demokratie
Die Bürger entscheiden Sachfragen selbst in Volksabstimmungen. Beispiele sind Athen und heute die Schweiz. Jede Entscheidung ist unmittelbar gedeckt, aber schwierige Fragen schrumpfen auf Ja oder Nein.
Repräsentative Demokratie
Die Bürger wählen Vertreter, die entscheiden und Rechenschaft ablegen. So arbeiten heute fast alle Demokratien. Es bleibt Raum für Verhandlung und Kompromiss, aber der Abstand zwischen Wählern und Gewählten wächst.
Der lange Weg zum Wahlrecht für alle
Von Athen bis zum Wahlrecht für jeden erwachsenen Menschen war es ein langer Weg. In Deutschland ist das allgemeine Wahlrecht für Frauen und Männer erst gut hundert Jahre alt.
Von Athen bis zur Einheit
- 508/507 v. Chr.Kleisthenes hat mit seinen Reformen die athenische Demokratie begründet.
- 1848Am 18. Mai ist in der Frankfurter Paulskirche das erste frei gewählte gesamtdeutsche Parlament zusammengetreten. Im Juni 1849 ist es gescheitert.
- 1919Am 19. Januar haben Frauen in ganz Deutschland zum ersten Mal wählen und gewählt werden dürfen.
- 1933Am 23. März hat der Reichstag mit dem Ermächtigungsgesetz seine eigene Macht abgegeben.
- 1949Das Grundgesetz ist mit der Ewigkeitsklausel in Kraft getreten.
- 1990Am 18. März hat die DDR ihre erste und letzte freie Volkskammer gewählt.
Wie viele Menschen in einer Demokratie leben
Weniger, als die meisten denken. Das Institut Varieties of Democracy, kurz V-Dem, an der Universität Göteborg zählt jedes Jahr nach. Es unterscheidet liberale Demokratien, in denen neben freien Wahlen auch Gerichte und Presse die Regierung wirksam kontrollieren, und Wahldemokratien, in denen die Wahlen frei sind, der Rechtsstaat aber Lücken hat.
Insgesamt leben 26 Prozent der Weltbevölkerung in einer Demokratie. In einer liberalen Demokratie sind es nur 7 Prozent, so wenige wie seit über 50 Jahren nicht. Die übrigen 74 Prozent leben in einer Autokratie. Die USA haben 2025 den Rang einer liberalen Demokratie verloren und gelten laut V-Dem jetzt als Wahldemokratie. Nicht nur ein Putsch kann eine Demokratie beenden. Von den 44 Ländern, die sich laut V-Dem derzeit von der Demokratie entfernen, gehen 32 Regierungen gegen freie Medien vor und 30 gegen die Zivilgesellschaft. Das Gegenstück ist die Diktatur, in der die Macht offen und ohne Kontrolle ausgeübt wird.
Winston Churchill hat im November 1947 im britischen Unterhaus einen Satz zitiert, der seitdem ihm zugeschrieben wird. Demokratie sei die schlechteste Regierungsform, mit Ausnahme all der anderen, die man von Zeit zu Zeit ausprobiert habe. Der Satz beschönigt nichts. Demokratie ist langsam, laut und oft enttäuschend. Sie ist aber die einzige Form, in der man das sagen darf und die Leute, die einen enttäuscht haben, bei der nächsten Wahl wieder loswird.
Warum ist Demokratie mehr als eine Mehrheitsentscheidung?
Wer durfte im antiken Athen in der Volksversammlung abstimmen?
Was regelt die Ewigkeitsklausel in Artikel 79 des Grundgesetzes?
Wann haben Frauen in Deutschland zum ersten Mal gewählt?
Quellen 12
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 20 · abgerufen 24.09.2026
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 29 · abgerufen 24.09.2026
- Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland, Artikel 79 · abgerufen 24.09.2026
- Bundeszentrale für politische Bildung, Informationen zur politischen Bildung 332, Grundzüge der athenischen Demokratie · abgerufen 24.09.2026
- Bundeszentrale für politische Bildung, Aus Politik und Zeitgeschichte 45/1992, Kein Volksentscheid im Kalten Krieg! Zum Konzept einer plebiszitären Quarantäne für die junge Bundesrepublik 1948/1949 · Stand 01.01.1992, abgerufen 24.09.2026
- Schweizerische Eidgenossenschaft, admin.ch, Die Volksabstimmungen · abgerufen 24.09.2026
- Deutscher Bundestag, 18. Mai 1848: Verfassunggebende Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche · abgerufen 24.09.2026
- Bundeszentrale für politische Bildung, Frauenwahlrecht in Deutschland · abgerufen 24.09.2026
- Deutsches Historisches Museum, LeMO, Ermächtigungsgesetz · abgerufen 24.09.2026
- Bundeszentrale für politische Bildung, Die erste und letzte freie Wahl in der DDR · abgerufen 24.09.2026
- V-Dem Institute, Universität Göteborg, Democracy Report 2026: Unraveling The Democratic Era? · Stand 01.03.2026, abgerufen 24.09.2026
- International Churchill Society, The Worst Form of Government (Rede im Unterhaus, 11. November 1947) · Stand 11.11.1947, abgerufen 24.09.2026
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quickpedia.de: "Demokratie - Was sie ausmacht und woran man sie erkennt". Stand: 24.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/politik/demokratie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 24. September). Demokratie - Was sie ausmacht und woran man sie erkennt. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/demokratie
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Danke, wir sehen uns das an.