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Autokratie

Wladimir Putin im dunklen Anzug sitzt an einem Tisch, spricht und hält ein Blatt Papier in der Hand, im Hintergrund ein heller Raum mit goldenem Rahmen
Wladimir Putin, damals Ministerpräsident, im Dezember 2010 in Sankt Petersburg. Russland gilt nach der Einteilung von V-Dem heute als Wahlautokratie (Foto: 279photo Studio / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Eine Autokratie ist jede Herrschaft, bei der die Bevölkerung die Regierung nicht in freien und fairen Wahlen abwählen kann. Das Wort ist weiter gefasst als Diktatur, denn es umfasst auch Staaten, die Wahlen abhalten, deren Ergebnis aber vorher feststeht. Ende 2025 lebten 74 Prozent der Weltbevölkerung in Autokratien.

Eine Autokratie ist eine Herrschaftsform, in der eine Person oder eine kleine Gruppe die Macht hat, ohne dass die Bevölkerung sie in freien und fairen Wahlen wieder abgeben lassen könnte. Das Wort dient heute als Oberbegriff für alles, was keine Demokratie ist. Eine Diktatur ist immer eine Autokratie, aber nicht jede Autokratie ist eine Diktatur. Viele Autokratien halten sogar regelmäßig Wahlen ab. Sie sorgen nur dafür, dass das Ergebnis vorher feststeht.

Das Wort kommt aus dem Griechischen, "autós" heißt selbst und "kratein" heißt herrschen. Ein Autokrat ist also jemand, der aus sich selbst heraus herrscht, ohne von jemand anderem ein Mandat zu brauchen. Die Herrscher Russlands haben sich genau so genannt. Schon Iwan III. wurde Ende des 15. Jahrhunderts als "Selbstherrscher" angesprochen, auf Russisch "samoderzec", die wörtliche Übersetzung von Autokrat. Als Peter der Große 1721 den Kaisertitel annahm, blieb das Wort erhalten. Sein Titel lautete nun "Imperator und Selbstherrscher von ganz Russland".

Warum Autokratie und nicht Diktatur

Diktatur klingt nach Uniformen, Panzern und Geheimpolizei. Die meisten unfreien Staaten sehen heute aber nicht so aus. Sie haben ein Parlament, mehrere Parteien und alle paar Jahre einen Wahltag mit Plakaten und Stimmzetteln. Trotzdem gewinnt immer dieselbe Seite. Für solche Länder braucht die Forschung ein Wort, das nicht nach Stiefeln klingt, aber trotzdem sagt, dass hier keine Demokratie herrscht.

Autokratie beschreibt deshalb nicht, wie brutal eine Regierung ist, sondern ob die Menschen sie loswerden können. Das ist ein einfacher Prüfstein. In einer Demokratie kann eine Regierung eine Wahl verlieren und geht dann. In einer Autokratie ist das nicht vorgesehen.

Irrtum: Autokratie ist nur ein feineres Wort für Diktatur

Nein, es ist ein weiteres. Diktatur meint die offene Machtausübung ohne wirksame Verfassungsschranke, wie im Nationalsozialismus oder im italienischen Faschismus. Autokratie umfasst das mit, erfasst aber auch Staaten, die nach außen wie Demokratien aussehen. Wer Autokratie sagt, verharmlost also nicht, sondern sieht genauer hin. Umgekehrt ist nicht jede Autokratie eine Diktatur.

Die Stufen zwischen Demokratie und Autokratie

Eine weit verbreitete Einteilung stammt vom Institut Varieties of Democracy, kurz V-Dem, an der Universität Göteborg in Schweden. Sie kennt vier Stufen. Gefragt wird zuerst, ob es überhaupt Wahlen mit mehreren Parteien gibt, dann, ob diese Wahlen frei und fair sind, und zuletzt, ob unabhängige Gerichte und eine freie Presse die Regierung auch zwischen den Wahlen kontrollieren.

Die beiden unteren Stufen sind Autokratien. In einer geschlossenen Autokratie gibt es keine echte Wahl mit mehreren Parteien für die Staatsspitze. China, Nordkorea, Saudi-Arabien und Belarus gehören laut V-Dem dazu. In einer Wahlautokratie gibt es Wahlen mit mehreren Parteien, aber die Regierung hat das Spielfeld so schief gestellt, dass die Opposition kaum gewinnen kann. Russland, Serbien und Indien stuft V-Dem so ein, und Ende 2025 auch Ungarn, ein Mitglied der EU.

Geschlossene Autokratie

Keine Wahl mit mehreren Parteien für die Staatsspitze. Die Macht wird vererbt, erputscht oder von einer Einheitspartei vergeben.

Wahlautokratie

Wahlen mit mehreren Parteien finden statt, aber Medien, Gerichte und Wahlrecht sind so gebogen, dass die Regierung praktisch nicht verlieren kann.

Wahldemokratie

Freie und faire Wahlen, bei denen die Regierung tatsächlich verlieren kann. Rechtsstaat und Gewaltenteilung sind aber noch lückenhaft.

Die vierte Stufe, die liberale Demokratie, hat beides, freie Wahlen und wirksame Kontrolle zwischen den Wahlen. Deutschland gehört dazu, und nach der Zählung von V-Dem sind es weltweit nur 31 Länder. Die USA haben diesen Rang 2025 zum ersten Mal seit mehr als fünfzig Jahren verloren und gelten nun als Wahldemokratie.

Wie viele Menschen in Autokratien leben

Auffällig an den Zahlen aus dem V-Dem-Bericht vom März 2026 ist weniger, wie viele Länder Autokratien sind, als wie viele Menschen dort leben. Vier der fünf bevölkerungsreichsten Länder der Welt sind nach dieser Zählung Autokratien, nämlich China, Indien, Indonesien und Pakistan.

Drei von vier Menschen leben in einer Autokratie: 46 Prozent in Wahlautokratien und 28 Prozent in geschlossenen Autokratien. 19 Prozent leben in Wahldemokratien und 7 Prozent in liberalen Demokratien. Von 179 Staaten sind 31 liberale Demokratien, 56 Wahldemokratien, 57 Wahlautokratien und 35 geschlossene Autokratien.

Die Einstufung beruht auf den Einschätzungen von Länderexperten und ist keine Messung wie beim Wetter. Deshalb streiten Fachleute über einzelne Länder. Die Richtung zeigt der Bericht aber deutlich. Seit Anfang der 2010er Jahre bewegen sich mehr Länder von der Demokratie weg als auf sie zu. Ende 2025 zählt V-Dem 44 solche Länder, nach dem bisherigen Höchststand von 50 im Jahr 2021.

Der Weg in die Autokratie und wieder heraus

Eine Autokratie muss nicht mit einem Putsch beginnen. Ungarn zeigt, wie es auch mit einem Wahlsieg gehen kann. Als Viktor Orbán und seine Partei Fidesz 2010 an die Macht kamen, war Ungarn nach V-Dem noch eine liberale Demokratie. Die Regierung hat danach Schritt für Schritt die Kontrollen über sich abgebaut, in die Wahlen eingegriffen und die Pressefreiheit stark eingeschränkt. Unter den Ländern, die sich laut dem Bericht von 2026 von der Demokratie wegbewegen, liegt Ungarn beim Ausmaß der Verschlechterung ganz vorn. Forscher nennen diesen Vorgang Autokratisierung, und der Begriff sagt, dass es sich um einen Prozess handelt und nicht um einen Schalter.

Dass der Prozess umkehrbar sein kann, hat Ungarn im April 2026 gezeigt. Nach sechzehn Jahren an der Regierung hat Fidesz die Parlamentswahl verloren, und die Oppositionspartei Tisza unter Péter Magyar ging als klare Siegerin hervor. Das zeigt, was eine Wahlautokratie von einer geschlossenen unterscheidet. Die Wähler haben dort noch eine Wahl, wenn auch eine erschwerte, und damit einen Ausgang.

Was hast Du gelernt?
  1. Was heißt Autokratie wörtlich?

  2. Was unterscheidet eine Wahlautokratie von einer geschlossenen Autokratie?

  3. Wie viel Prozent der Weltbevölkerung lebten Ende 2025 laut V-Dem in Autokratien?

Quellen 5
  1. DWDS, Autokratie · abgerufen 24.09.2026
  2. Antonia von Reiche, Der Weg des russischen Zarentums zur Anerkennung in der Zeit von 1547 bis 1722, Dissertation, Universität Hamburg, 2001 · Stand 01.01.2001, abgerufen 24.09.2026
  3. V-Dem Institute, Universität Göteborg, Democracy Report 2026: Unraveling The Democratic Era? · Stand 01.03.2026, abgerufen 24.09.2026
  4. dekoder, Dimitri Medwedew (Präsident von Mai 2008 bis Mai 2012, Putin in dieser Zeit Ministerpräsident) · abgerufen 24.09.2026
  5. Bundeszentrale für politische Bildung, Parlamentswahl in Ungarn, 13. April 2026 · Stand 13.04.2026, abgerufen 24.09.2026
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quickpedia.de: "Autokratie - Was das Wort bedeutet und wie sie sich von der Diktatur unterscheidet". Stand: 03.10.2026. Online unter: https://quickpedia.de/politik/autokratie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 3. Oktober). Autokratie - Was das Wort bedeutet und wie sie sich von der Diktatur unterscheidet. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/politik/autokratie

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