Synapse

Eine Synapse ist die Kontaktstelle, an der eine Nervenzelle ihr Signal an die nächste weitergibt. An den meisten Synapsen springt über den winzigen Spalt dazwischen kein Strom. Botenstoffe tragen das Signal hinüber, in wenigen Tausendstelsekunden. Weil sich diese Übergabe verstärken oder abschwächen lässt, können wir lernen.
Eine Synapse ist die Stelle, an der eine Nervenzelle ihr Signal an eine andere Zelle weitergibt. Bei den meisten Synapsen berühren sich die beiden Zellen dabei nicht. Zwischen ihnen bleibt ein Spalt von etwa 20 Millionstel Millimetern. Über diesen Spalt springt kein Strom. Stattdessen werden Botenstoffe ausgeschüttet, die auf der anderen Seite andocken und dort ein neues Signal auslösen oder unterdrücken. Mehr als 100 Billionen solcher Kontaktstellen hat ein erwachsenes Gehirn, und alles, was wir lernen, verändert einige davon.
Das Wort hat der englische Physiologe Charles Sherrington 1897 geprägt. Es kommt aus dem Griechischen. "Syn" heißt zusammen und "haptein" greifen oder fassen. Zu der Zeit war noch umstritten, ob das Nervensystem ein durchgehendes Netz ist oder aus einzelnen Zellen besteht. Sherrington hat auf einzelne Zellen gesetzt, die sich an Kontaktstellen "zusammenfassen", und er hat recht behalten. Den Spalt selbst kann man im Lichtmikroskop kaum erkennen. Sichtbar wird er erst im Elektronenmikroskop.
Meistens nicht, und genau hier führt das Bild vom Kabel in die Irre. Innerhalb einer Nervenzelle läuft das Signal elektrisch, als Spannungswelle entlang der Faser. An der Synapse endet die Faser, und das Signal muss über den Spalt. Dafür wird es in Chemie übersetzt. Erst diese Übersetzung macht das Gehirn lernfähig. Ein Kabel leitet immer gleich, aber eine chemische Übergabe kann stärker oder schwächer werden. Es gibt zwar auch elektrische Synapsen, an denen zwei Zellen über kleine Kanäle direkt gekoppelt sind. Die meisten Synapsen arbeiten aber chemisch.
Was in wenigen Tausendstelsekunden passiert
Die Übergabe an einer chemischen Synapse dauert nur wenige Millisekunden, und sie läuft immer nach demselben Schema. Auf der Senderseite, der präsynaptischen Endigung, warten kleine Bläschen, die mit Botenstoff gefüllt sind. Auf der Empfängerseite sitzen Rezeptoren. Das sind Eiweißmoleküle, die auf genau diesen Botenstoff passen wie ein Schloss auf den Schlüssel.
Eine Übergabe, Schritt für Schritt
- Schritt 1Ein elektrischer Impuls, das Aktionspotenzial, erreicht das Ende der Nervenfaser.
- Schritt 2Die Spannung öffnet Kanäle, und Calcium strömt in die Endigung.
- Schritt 3Das Calcium lässt die Bläschen mit der Membran verschmelzen. Der Botenstoff gelangt in den Spalt.
- Schritt 4Der Botenstoff wandert durch den Spalt und dockt an den Rezeptoren der Empfängerzelle an.
- Schritt 5Die Rezeptoren öffnen Kanäle, und die Empfängerzelle wird erregt oder gehemmt.
- Schritt 6Der Botenstoff wird abgebaut oder in die Senderzelle zurückgepumpt. Die Synapse ist wieder bereit.
Ob die Empfängerzelle danach selbst feuert, entscheidet sie nicht an einer Synapse, sondern an allen zusammen. Eine Nervenzelle kann Signale von bis zu 200.000 Synapsen empfangen, erregende und hemmende, und zählt sie zusammen. Erst wenn die Summe eine Schwelle überschreitet, feuert sie. Das neuronale Netz des Gehirns ist deshalb kein Netz aus Kabeln, sondern eines aus Abstimmungen.
Erregend, hemmend und die Botenstoffe
Welche Wirkung eine Synapse hat, bestimmt ihr Botenstoff. Zu den häufigsten gehören Glutamat, das die Empfängerzelle erregt, und GABA, das sie hemmt. Weitere bekannte Botenstoffe sind Dopamin, Serotonin, Acetylcholin und Noradrenalin. Wie viele es insgesamt gibt, weiß niemand genau. Bekannt sind mehr als 100.
Weil die meisten Synapsen chemisch arbeiten, setzen hier viele Medikamente, Drogen und Gifte an, die auf das Nervensystem wirken.
- Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI · verhindern, dass Serotonin in die Senderzelle zurückgepumpt wird
- Koffein · blockiert die Rezeptoren für Adenosin, das müde macht
- Botox · verhindert, dass Acetylcholin an den Synapsen zum Muskel ausgeschüttet wird
- Pfeilgift Curare · blockiert die Rezeptoren für Acetylcholin am Muskel
- Kokain · blockiert das Zurückpumpen von Dopamin
Wer mehr über den Wachmacher aus der Tasse wissen will, findet die Werte im Beitrag zum Koffeingehalt von Getränken.
Warum Synapsen sich verändern
Die wichtigste Eigenschaft einer Synapse ist, dass sie nicht bleibt, wie sie ist. Sie kann ihre Stärke ändern, also wie gut sie ein Signal weitergibt. Manche Änderungen halten nur Millisekunden bis Minuten, andere Stunden oder vielleicht ein Leben lang. Der kanadische Psychologe Donald Hebb hat 1949 beschrieben, dass eine Verbindung stärker wird, wenn eine Zelle eine andere immer wieder erregt. Später hat man das auf eine griffige Formel gebracht. Zellen, die zusammen feuern, verdrahten sich zusammen.
Diese Neuroplastizität ist eine Grundlage von Gedächtnis und Lernen, und sie ist der Grund, warum Üben funktioniert.
Genau dieses Prinzip haben die neuronalen Netze der Informatik übernommen, allerdings in einer sehr vereinfachten Form. Dort ist die Synapse eine Zahl.
Synapse im Gehirn
Meist eine chemische Übergabe über einen Spalt, mit über hundert verschiedenen Botenstoffen, erregend oder hemmend, in wenigen Millisekunden. Sie verändert ihre Stärke mit dem Gebrauch.
Gewicht im künstlichen Netz
Eine einzelne Zahl, mit der ein Eingangssignal multipliziert wird. Sie wird beim Training angepasst und bleibt danach fest. Botenstoffe gibt es dort nicht.
Die Ähnlichkeit reicht für erstaunliche Ergebnisse, bis hin zur Frage nach einer allgemeinen künstlichen Intelligenz. Der Unterschied bleibt trotzdem groß. Ein Gehirn baut seine Synapsen ein Leben lang um, während ein künstliches Netz nach dem Training so bleibt, wie es ist.
Warum springt das Signal an den meisten Synapsen nicht als Strom über?
Was entscheidet, ob eine Nervenzelle feuert?
Wie wirkt Koffein an der Synapse?
Von wem stammt die Idee, dass sich Verbindungen durch gemeinsames Feuern verstärken?
Was unterscheidet eine Synapse von einem Gewicht im künstlichen neuronalen Netz?
Quellen 9
- Wikipedia, Synapse · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Chemical synapse · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Neurotransmitter · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Hebbian theory · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia, Neuronale Plastizität · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Selective serotonin reuptake inhibitor · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Caffeine · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Botulinum toxin · abgerufen 29.09.2026
- Wikipedia (englisch), Tubocurarine chloride · abgerufen 29.09.2026
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quickpedia.de: "Was ist eine Synapse und wie funktioniert sie?". Stand: 29.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/medizin/synapse (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 29. September). Was ist eine Synapse und wie funktioniert sie?. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/medizin/synapse
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Danke, wir sehen uns das an.