## Die Botanik hat eine klare Antwort
**Aus Sicht der Pflanzenkunde ist der Fall klar**: Die Tomate ist eine Frucht. Sie entsteht aus der befruchteten Blüte der Tomatenpflanze und trägt die Samen in ihrem Inneren. Genau das ist die botanische Definition einer Frucht.
Nach dieser Logik gehören beispielsweise auch Gurken, Zucchini, Paprika und Kürbisse zu den Früchten. Wer es genau nimmt, isst also auch beim Ratatouille als einen Obstsalat.
## Warum die Küche trotzdem von Gemüse spricht
Im kulinarischen Alltag zählt nicht die Botanik, sondern der Geschmack und die Verwendung. Tomaten landen in Salaten, Soßen und als Belag auf Pizzen, aber eher nicht im Obstkuchen. Köche und Otto-Normalverbraucher ordnen sie also ganz selbstverständlich dem Gemüse zu.
Auch der Zuckergehalt spielt eine Rolle. Klassisches Obst wie Äpfel oder Trauben schmeckt deutlich süßer. Die Tomate schmeckt eher herzhaft und säuerlich. Auch das spricht in der Küche für die Einordnung als Gemüse.
## Der Kompromiss
**Die deutsche Sprache hat für dieses Problem schon lange eine Lösung gefunden**: das Fruchtgemüse. Dieser Begriff beschreibt Pflanzen, deren Früchte wie Gemüse verwendet werden.
Auch im Handel und in der Landwirtschaft hat sich diese Einordnung durchgesetzt.
## Als ein Gericht über die Tomate urteilen musste
Kurios wird es beim Blick in die Geschichte. Im Jahr 1893 hat der Oberste Gerichtshof der USA über die Tomaten-Frage entschieden.
Der Hintergrund des Prozesses war ein Zollstreit. Auf importiertes Gemüse sind damals Abgaben angefallen, auf Obst nicht.
Ein Händler hat deshalb argumentiert, seine Tomaten seien botanisch gesehen Früchte und damit zollfrei.
Die Richter folgten dieser wissenschaftlich korrekten Argumentation allerdings nicht. Ihr Urteil: Im allgemeinen Sprachgebrauch sei die Tomate ein Gemüse, also müsse der Zoll gezahlt werden.
## Gesund ist die Tomate so oder so
Für die Gesundheit spielt die Einordnung keine Rolle. Tomaten liefern Vitamin C, Kalium und Folsäure. Dabei haben sie nur rund 18 Kilokalorien pro 100 Gramm. Sie gehören also zu den kalorienärmsten Lebensmitteln.
Gesundheitlich interessant ist auch Farbstoff Lycopin, der für die rote Färbung der Tomate sorgt. Dieser sekundäre Pflanzenstoff gilt als Zellschutz.
Der Körper nimmt ihn aus gekochten Tomaten besser auf als aus rohen Früchten. Tomatensoße und Tomatenmark sind also eine gute Wahl.
## NLDR: Beides stimmt
Die Tomate ist botanisch eine Frucht, kulinarisch ein Gemüse und diplomatisch ein Fruchtgemüse.
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