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Wer hat Kennedy ermordet?

Bronzestatue von John F. Kennedy auf einem runden Sockel vor einer Wand mit historischen Fotos und einem Zitat
Lee Harvey Oswald hat John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas erschossen, laut der Warren-Kommission allein. Das Denkmal für Kennedy in Fort Worth, Texas (Foto: Dorti / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Lee Harvey Oswald hat Präsident John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas erschossen, laut der Warren-Kommission allein. Einen belegten Mittäter oder Auftraggeber hat seither keine Untersuchung gefunden.

Nach allem, was die Ermittlungen ergeben haben, hat Lee Harvey Oswald den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy am 22. November 1963 in Dallas erschossen. Die offizielle Untersuchung, die Warren-Kommission, kam 1964 zu dem Ergebnis, dass er allein gehandelt hat.

Endgültig geklärt ist die Frage trotzdem für viele nicht. Oswald ist zwei Tage nach der Tat selbst erschossen worden, und einen Prozess gab es nie. Die Ermittlungen waren voller Pannen, und ein späterer Untersuchungsausschuss des Kongresses hielt sogar einen zweiten Schützen für wahrscheinlich. Aus diesen Lücken sind unzählige Verschwörungstheorien entstanden.

Was am 22. November 1963 geschah

Kennedy war auf einer Reise durch Texas. In Dallas ist er mit seiner Frau Jackie und dem texanischen Gouverneur John Connally im offenen Wagen durch die Innenstadt gefahren, vorbei an Tausenden Zuschauern. Um 12:30 Uhr ist die Wagenkolonne an der Dealey Plaza in die Elm Street eingebogen, direkt am Gebäude des texanischen Schulbuchlagers vorbei. Dann sind Schüsse gefallen.

Die Ermittler gehen davon aus, dass der erste Schuss sein Ziel verfehlt hat. Eine zweite Kugel hat Kennedy in den Hals getroffen und danach auch Connally schwer verletzt. Der dritte Schuss hat den Präsidenten in den Kopf getroffen. Kennedy ist kurz darauf im Parkland Memorial Hospital für tot erklärt worden. Noch am selben Tag hat Vizepräsident Lyndon B. Johnson an Bord der Air Force One den Amtseid als neuer Präsident abgelegt.

Mehrere Augenzeugen hatten einen Gewehrlauf aus einem Fenster im fünften Stock des Schulbuchlagers ragen sehen. Dort hat die Polizei ein italienisches Gewehr vom Typ Mannlicher-Carcano mit Zielfernrohr und daneben drei leere Patronenhülsen gefunden. Ein Amateurfilmer namens Abraham Zapruder hatte die Schüsse zufällig mit seiner Kamera aufgenommen. Sein kurzer Film ist bis heute das wichtigste Bilddokument der Tat.

Der Verdächtige Lee Harvey Oswald

Lee Harvey Oswald war ein 24-jähriger Gelegenheitsarbeiter, der im Schulbuchlager angestellt war. Er bekannte sich zum Marxismus und hatte von 1960 bis 1962 in der Sowjetunion gelebt. Das Gewehr aus dem fünften Stock hatte er im März 1963 unter dem falschen Namen "A. Hidell" per Post bestellt, und auf der Waffe fand sich ein Abdruck seiner Hand.

Nach den Schüssen hat Oswald das Gebäude verlassen. Etwa 45 Minuten später hat ihn ein Polizist namens J. D. Tippit auf der Straße angehalten, und Oswald hat ihn mit einem Revolver erschossen. Kurz darauf ist er in einem Kino festgenommen worden. In den Verhören hat er jede Beteiligung am Mord an Kennedy bestritten und erklärt, man wolle ihn zum Sündenbock machen.

Zu einem Prozess kam es nie. Am 24. November 1963, als Oswald in ein anderes Gefängnis gebracht werden sollte, hat ihn der Nachtclubbesitzer Jack Ruby im Keller des Polizeigebäudes vor laufenden Kameras erschossen. Ruby ist wegen Mordes zum Tode verurteilt worden, doch das Urteil wurde in der Berufung aufgehoben. Bevor es zu einem neuen Prozess kam, ist er 1967 an einer Lungenembolie gestorben.

Wie ein Barbesitzer in den Polizeikeller kam

Ruby ist einfach die Einfahrt für die Polizeiwagen hinuntergegangen. Um 11:17 Uhr hatte er in einem Büro einen Block entfernt Geld überwiesen. Nach eigenen Angaben ist er danach die Rampe an der Main Street hinabgestiegen, als gerade ein Polizeiwagen hinausfuhr. Vier Minuten nach der Überweisung hat er geschossen. Im Keller drängten sich 40 bis 50 Journalisten und 70 bis 75 Polizisten, denn die Polizei hatte die Überstellung öffentlich angekündigt. Ruby kannte außerdem viele Polizisten aus seinen Clubs. Die Warren-Kommission hat die schlechte Absicherung des Kellers als Hauptursache genannt. Einen Beleg, dass ihm jemand hineingeholfen hat, hat sie nicht gefunden.

Die Untersuchungen

Seit 1963 haben sich mehrere Untersuchungen mit dem Attentat befasst. Sie kamen nicht alle zum selben Ergebnis.

UntersuchungJahrErgebnis
Warren-Kommission1964Oswald als Einzeltäter mit drei Schüssen
Clark-Ausschuss1968bestätigt anhand der Obduktionsbilder die Schüsse von hinten und oben
Ausschuss des Repräsentantenhauses (HSCA)1979bestätigt Oswald als Schützen, hält aber einen zweiten Schützen für wahrscheinlich
National Academy of Sciences1982kein vierter Schuss auf der Tonaufnahme der Polizei

Die Warren-Kommission ist nach ihrem Vorsitzenden benannt, dem obersten Richter der USA Earl Warren. Präsident Johnson hat sie eine Woche nach dem Attentat eingesetzt. Nach zehn Monaten hat sie einen Bericht mit 888 Seiten vorgelegt. Danach hat Oswald dreimal aus dem Schulbuchlager geschossen, und eine einzige Kugel verursachte sowohl Kennedys Halswunde als auch alle Verletzungen Connallys. Diese sogenannte Einzelkugel-Theorie haben Kritiker bald spöttisch die "magische Kugel" genannt.

Die Kommission hat sich allerdings weitgehend auf die Ermittlungen von FBI und Polizei gestützt. Weitere Beteiligte hat sie ausdrücklich nicht ausgeschlossen, weil sich eine Verneinung nicht mit letzter Sicherheit beweisen lasse. Belege für Mittäter hatte aber keine der ermittelnden Behörden gefunden.

Der Ausschuss des Repräsentantenhauses hat Oswald 1979 als Schützen bestätigt und trotzdem eine Verschwörung für wahrscheinlich gehalten. Aufschlussreich ist, wen er dabei ausdrücklich ausgeschlossen hat. Das sind die Regierungen der Sowjetunion und Kubas, exilkubanische Gruppen und das organisierte Verbrechen jeweils als Organisation sowie CIA, FBI und Secret Service. Damit fallen die meisten Drahtzieher weg, die bis heute genannt werden.

Irrtum: Ein Untersuchungsausschuss hat eine Verschwörung bewiesen

Der Ausschuss hat einen zweiten Schützen auf dem Grashügel neben der Straße nur für wahrscheinlich gehalten. Er hat sich dabei vor allem auf die Tonaufnahme vom Funkgerät eines Polizisten gestützt. Wer dieser Schütze gewesen sein soll, konnte er nicht sagen. 1982 hat ein Ausschuss der National Academy of Sciences die Aufnahme noch einmal geprüft. Die vermeintlichen Schussgeräusche stammten danach aus der Zeit rund eine Minute nach dem Attentat, und verlässliche akustische Daten stützen die Annahme eines zweiten Schützen nicht.

Warum so viele an eine Verschwörung glauben

Schon kurz nach dem Attentat haben viele Amerikaner nicht an einen Einzeltäter geglaubt. In einer Umfrage des Instituts Gallup waren es 1963 bereits 52 Prozent, die weitere Beteiligte vermuteten. In den 1970er- bis frühen 2000er-Jahren lag dieser Anteil sogar bei 74 bis 81 Prozent. Laut der letzten Gallup-Umfrage von 2023 glauben 65 Prozent der Amerikaner an eine Verschwörung, nur 29 Prozent halten Oswald für den alleinigen Täter.

Dafür gibt es eine Reihe von Gründen. Der Mord an Oswald sah für viele so aus, als solle ein Mitwisser zum Schweigen gebracht werden. Im Zapruder-Film fliegt Kennedys Kopf beim tödlichen Schuss nach hinten, was manche als Schuss von vorn deuten. Mehrere forensische Untersuchungen haben das allerdings widerlegt. Dazu kamen Fehler der Behörden, etwa vernichtete Unterlagen des FBI über Oswald. Die Liste der angeblichen Drahtzieher ist lang. Sie reicht von der Mafia über die CIA und Kubas Staatschef Fidel Castro bis zu Kennedys Nachfolger Johnson.

Die CIA und das Wort Verschwörungstheorie

Oft heißt es, die CIA habe den Begriff Verschwörungstheorie nach dem Kennedy-Attentat erfunden oder populär gemacht, um Kritiker lächerlich zu machen. Das gilt als widerlegt. Ein CIA-Papier von 1967 hat zwar empfohlen, Kritikern des Warren-Berichts unlautere Motive zu unterstellen. Das Wort selbst ist aber viel älter. Mehr dazu steht im Beitrag über Verschwörungstheorien.

Die geheimen Akten

Zum Misstrauen hat auch die lange Geheimhaltung beigetragen. Die unveröffentlichten Akten der Warren-Kommission waren zunächst für 75 Jahre gesperrt, also bis 2039. Das war keine Sonderanordnung, sondern eine allgemeine Regel des Nationalarchivs für Ermittlungsakten, die Unbeteiligte schützen sollte. 1992 hat der Kongress dann ein Gesetz beschlossen, nach dem alle Akten zum Attentat bis spätestens 2017 öffentlich werden mussten.

Freigegeben wurden sie dann in mehreren Schritten. Nach einer Freigabe im Juni 2023 waren 99 Prozent der Dokumente öffentlich. Im März 2025 hat Präsident Donald Trump auch die restlichen Akten freigegeben. Innerhalb weniger Tage sind dabei 82.546 Seiten ohne Schwärzungen erschienen. Einen Beleg für Mittäter haben erste Auswertungen darin nicht gefunden, und einen eindeutigen forensischen Beweis für einen zweiten Täter gibt es bis heute nicht.

Zwei Fragen, die man trennen sollte

Wer geschossen hat und ob jemand dahinterstand, sind zwei verschiedene Fragen. Zur ersten gibt es einen amtlichen Befund, den alle Untersuchungen bestätigt haben: Oswald hat geschossen. Zur zweiten hat in mehr als sechs Jahrzehnten keine Untersuchung einen belegten Namen geliefert. Genau deshalb lässt sie so vielen Menschen keine Ruhe.

Was hast Du gelernt?
  1. Wer hat Kennedy laut der Warren-Kommission erschossen?

  2. Warum gab es nie einen Prozess gegen Oswald?

  3. Worauf stützte sich der Ausschuss von 1979 bei der Annahme eines zweiten Schützen?

Quellen 15
  1. Warren-Bericht, Kapitel 5: Detention and Death of Oswald · abgerufen 30.09.2026
  2. Report of the President's Commission on the Assassination of President Kennedy (Warren-Bericht), Kapitel 1: Summary and Conclusions · abgerufen 30.09.2026
  3. Warren-Bericht, Kapitel 4: The Assassin · abgerufen 30.09.2026
  4. Warren-Bericht, Kapitel 7: Lee Harvey Oswald, Background and Possible Motives · abgerufen 30.09.2026
  5. 1968 Panel Review of Photographs, X-Ray Films, Documents and Other Evidence Pertaining to the Fatal Wounding of President John F. Kennedy (Clark-Ausschuss)
  6. Report of the Select Committee on Assassinations, U.S. House of Representatives (1979), Teil I A: Oswald fired three shots · abgerufen 30.09.2026
  7. Report of the Select Committee on Assassinations (1979), Teil I C: Probably assassinated as a result of a conspiracy · abgerufen 30.09.2026
  8. National Research Council, Report of the Committee on Ballistic Acoustics (1982) · abgerufen 30.09.2026
  9. Texas Court of Criminal Appeals, Rubenstein v. State, 5. Oktober 1966
  10. CIA, Dispatch 1035-960, Countering Criticism of the Warren Report, 1. April 1967 (Record 104-10406-10110) · abgerufen 30.09.2026
  11. Time, FBI: Shaken by a Cover-Up That Failed (1975), zur vernichteten Oswald-Notiz an James Hosty · abgerufen 30.09.2026
  12. Gallup, Decades Later, Most Americans Doubt Lone Gunman Killed JFK, 13. November 2023 · Stand 13.11.2023, abgerufen 30.09.2026
  13. Assassination Records Review Board, Final Report (1998) · abgerufen 30.09.2026
  14. National Archives, Pressemitteilung NR23-43 zum Abschluss der Aktenprüfung, Juni 2023 · abgerufen 30.09.2026
  15. National Archives, JFK Assassination Records, 2025 Documents Release · abgerufen 30.09.2026
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quickpedia.de: "Wer hat Kennedy ermordet? Das Attentat von Dallas und die Frage nach dem Täter". Stand: 30.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/geschichte/wer-hat-kennedy-ermordet (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 30. September). Wer hat Kennedy ermordet? Das Attentat von Dallas und die Frage nach dem Täter. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/geschichte/wer-hat-kennedy-ermordet

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