Bernhard Weiß - Der Berliner Polizeivizepräsident
Bernhard Weiß war ein jüdischer Jurist und von 1927 bis 1932 Polizeivizepräsident von Berlin. Er hat die Politische Polizei und die Kriminalpolizei geleitet, 1927 die NSDAP in Berlin verbieten lassen und Joseph Goebbels mit Dutzenden Prozessen überzogen. Goebbels hetzte gegen ihn und nannte ihn "Isidor". 1933 musste Weiß über Prag nach London fliehen, wo er 1951 gestorben ist. In Babylon Berlin ist er das Vorbild für die Figur August Benda.
Bernhard Weiß gehörte zu den wenigen hohen Polizeibeamten der Weimarer Republik, die die Demokratie entschlossen verteidigt haben. Als Polizeivizepräsident von Berlin ging er gegen die Nationalsozialisten vor, lange bevor sie an der Macht waren. Dafür wurde er zum Hauptfeind von Joseph Goebbels, der ihn wegen seiner jüdischen Herkunft jahrelang verhöhnte.
In der Serie Babylon Berlin tritt er nicht unter eigenem Namen auf. Die Figur August Benda ist ihm aber nachempfunden.
Jurist und Offizier im Kaiserreich
Weiß ist am 30. Juli 1880 in Berlin geboren, als Sohn einer liberalen jüdischen Kaufmannsfamilie. Er studierte Jura und wurde 1904 in Würzburg promoviert. Schon im ersten Semester in Freiburg ist er nach einer Schlägerei mit einem Studenten, der ihn judenfeindlich beleidigt hatte, von der Universität ausgeschlossen worden.
Seinen Militärdienst leistete er in der bayerischen Armee. Sie war damals die einzige in Deutschland, in der Juden Offizier werden konnten. Im Ersten Weltkrieg wurde er Rittmeister und bekam das Eiserne Kreuz I. Klasse.
Aufstieg in der Berliner Polizei
1918 kam Weiß als stellvertretender Leiter der Kriminalpolizei ins Berliner Polizeipräsidium. Nach seinen eigenen Worten war er damit der erste Jude in der preußischen Verwaltung. Nach dem Kapp-Putsch baute er ab 1920 die Politische Polizei auf, die links- und rechtsextreme Gegner der Republik bekämpfen sollte. 1922 leitete er die Ermittlungen zum Mord an Außenminister Walther Rathenau, bei denen mehr als ein Dutzend Beteiligte gefasst wurden.
1925 wurde Weiß Chef der Berliner Kriminalpolizei, und am 17. März 1927 wurde er Polizeivizepräsident. Sein Vorgesetzter war zuerst Karl Zörgiebel, ab 1930 Albert Grzesinski.
"Isidor" und der Kampf gegen Goebbels
Weiß geriet früh in Konflikt mit den Nationalsozialisten. Am 5. Mai 1927 verbot das Berliner Polizeipräsidium unter seiner Federführung die NSDAP mit allen Unterorganisationen für Berlin und Brandenburg. Von da an war er für Goebbels, den Gauleiter von Berlin, der Hauptfeind.
Goebbels führte eine beispiellose Hetzkampagne gegen ihn. In seiner Zeitung "Der Angriff" erschien Weiß ständig in judenfeindlichen Texten und Karikaturen. Goebbels nannte ihn nur "Isidor", ein Name, der ihn als Juden verhöhnen sollte. Weiß wehrte sich und überzog Goebbels mit mehr als sechzig Prozessen. Er gewann sie, doch aufhalten konnte er die Hetze damit nicht.
1930 hat Weiß mit Kollegen der Politischen Polizei ein Gutachten verfasst, nach dem die NSDAP eine staatsfeindliche Verbindung war und Hitler und Goebbels strafrechtlich verfolgt werden müssten. Zu einer Anklage kam es nicht. Am 12. Mai 1932 ließ er persönlich den Plenarsaal des Reichstags von der Polizei räumen, nachdem NSDAP-Abgeordnete einen Journalisten zusammengeschlagen hatten und den Saal nicht verlassen wollten.
Bernhard Weiß
- 1880Am 30. Juli in Berlin geboren.
- 1918Stellvertretender Leiter der Berliner Kriminalpolizei.
- 1920Aufbau der Politischen Polizei.
- 1927Am 17. März Polizeivizepräsident von Berlin.
- 1927Am 5. Mai Verbot der NSDAP in Berlin und Brandenburg.
- 1932Mit dem Preußenschlag verliert er sein Amt.
- 1933Flucht über Prag, 1934 nach London.
- 1951Am 29. Juli in London gestorben.
Absetzung, Flucht und Exil
1932 setzte Reichskanzler Franz von Papen die preußische Regierung ab, und mit diesem Preußenschlag verlor auch Weiß sein Amt. Er wurde kurz festgenommen und nur gegen das schriftliche Versprechen freigelassen, keinen Dienst mehr zu tun.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten geriet sein Leben in Gefahr. Am Abend des 5. März 1933 stürmte die SA seine Wohnung, und Weiß entkam mit seiner Frau durch einen Hinterausgang. Die Familie versteckte sich und floh dann über Prag nach London. Im August 1933 stand Weiß auf der ersten Ausbürgerungsliste des Deutschen Reichs, zusammen mit Kurt Tucholsky, Heinrich Mann und Otto Wels.
In London baute er ein kleines grafisches Unternehmen auf. Nach dem Krieg war er bereit, beim Aufbau der Berliner Polizei zu helfen. Dazu kam es nicht mehr, denn er erkrankte schwer. Am 29. Juli 1951 ist Bernhard Weiß in London gestorben, kurz bevor er die deutsche Staatsbürgerschaft zurückbekommen hätte.
Seit 2011 trägt eine Straße in Berlin-Mitte seinen Namen, und am Haus Kaiserdamm 1 in Charlottenburg erinnert eine Gedenktafel an ihn.
Bernhard Weiß und August Benda
In Babylon Berlin spielt Matthias Brandt die Figur August Benda, einen Regierungsrat und Chef der Politischen Polizei. Benda ist in der ersten und zweiten Staffel zu sehen. Die Figur ist erfunden, aber an Bernhard Weiß angelehnt. Weitere echte Menschen und ihre Spiegelbilder in der Serie stehen in der Übersicht der historischen Personen in Babylon Berlin.
Benda ist eine erfundene Figur, die an Weiß erinnert, nicht Weiß selbst. Die Serie gibt ihr einen anderen Namen, ein anderes Amt und eine eigene Geschichte. Der echte Bernhard Weiß war Polizeivizepräsident von Berlin. Die Politische Polizei hatte er schon Anfang der 1920er Jahre aufgebaut.
Welches Amt hatte Bernhard Weiß von 1927 bis 1932?
Was hat das Berliner Polizeipräsidium unter Weiß am 5. Mai 1927 getan?
Wie verhöhnte Goebbels Bernhard Weiß?
Wohin ist Weiß 1933 geflohen?
Welche Figur in Babylon Berlin ist an Weiß angelehnt?
Quellen 4
- Polizei Berlin, Weimarer Republik von 1918 bis 1933 · abgerufen 27.09.2026
- Wikipedia, Bernhard Weiß (Jurist) · abgerufen 27.09.2026
- Wikipedia, Babylon Berlin (Besetzung) · abgerufen 27.09.2026
- fernsehserien.de, Babylon Berlin: Cast & Crew · abgerufen 27.09.2026
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quickpedia.de: "Bernhard Weiß: Berlins jüdischer Polizeivizepräsident, sein Kampf gegen Goebbels und das Vorbild für August Benda". Stand: 27.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/geschichte/personen/bernhard-weiss (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 27. September). Bernhard Weiß: Berlins jüdischer Polizeivizepräsident, sein Kampf gegen Goebbels und das Vorbild für August Benda. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/geschichte/personen/bernhard-weiss
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Danke, wir sehen uns das an.