Quickpedia

Germanische und nordische Götter - Liste mit Beschreibungen

Verwitterte, geschnitzte Holzfigur eines Mannes mit langem Bart und strengem Blick, dahinter ein unscharfer Wald im Abendlicht
An der Spitze der germanischen Götter steht Odin, deutsch Wodan, hier als geschnitzte Holzfigur (Foto: Drakuliren / Shutterstock)
Die schnelle Antwort

Germanische und nordische Götter sind weitgehend dieselben Götter. Nordisch heißen sie in der Form, in der sie in Skandinavien und Island überliefert sind, und von dort stammt fast alles, was wir über sie wissen. Sie teilen sich in zwei Geschlechter, die Asen und die Wanen. An der Spitze steht Odin, der deutsch Wodan heißt. Die bekanntesten sind außerdem Thor oder Donar, Frigg, Freyja, Freyr, Tyr, Baldr, Heimdall und Loki. Aus Deutschland sind nur wenige Zeugnisse erhalten.

Die germanischen Götter sind die Götter, die die germanischen Völker vor ihrer Christianisierung verehrt haben. Die nordischen Götter sind im Wesentlichen dieselben, nur in der Form, in der man sie in Skandinavien und Island kannte. Weil fast alle Geschichten über sie aus dem Norden stammen, tragen sie meist ihre nordischen Namen. Sie teilen sich in zwei Geschlechter, die Asen und die Wanen. An der Spitze steht Odin, der in Deutschland Wodan hieß. Zu den bekanntesten gehören außerdem der Donnergott Thor, Odins Frau Frigg, die Göttin Freyja, ihr Bruder Freyr und der listige Loki. Aufgeschrieben worden sind ihre Geschichten erst Jahrhunderte, nachdem die Menschen in Island Christen geworden waren.

Woher wir die Götter kennen

Die ausführlichsten Quellen stammen aus Island. Um 1270 ist dort die Handschrift entstanden, die heute Codex Regius heißt und die Götterlieder der Lieder-Edda enthält. Dazu kommt die Prosa-Edda des isländischen Gelehrten Snorri Sturluson, der von 1179 bis 1241 gelebt hat. In ihrem ersten Teil, der Gylfaginning, beschreibt Snorri die Götter der Reihe nach, mit ihren Wohnsitzen, Aufgaben und Geschichten.

Aus dem deutschen Raum ist viel weniger erhalten. Der römische Geschichtsschreiber Tacitus hat in seiner "Germania" berichtet, die Germanen verehrten vor allem einen Gott, den er nach römischer Art Mercurius nennt. Dazu kommen die Merseburger Zaubersprüche, eine Handschrift aus dem 9. oder 10. Jahrhundert, in der zwei der Götter in althochdeutscher Form auftauchen. Ein Teil der Götternamen steckt außerdem bis heute in unseren Wochentagen.

Die wichtigsten schriftlichen Quellen

  • 9. oder 10. Jh.In den Merseburger Zaubersprüchen tauchen Wodan und Frija auf.
  • 1179 bis 1241Snorri Sturluson lebt in Island und schreibt die Prosa-Edda.
  • um 1270Der Codex Regius mit den Götterliedern der Lieder-Edda entsteht.

Germanische oder nordische Götter?

Beide Bezeichnungen meinen weitgehend dieselben Götter. Germanisch ist der weitere Begriff für die Götter aller germanischen Völker, auch derer, die in Deutschland gelebt haben. Nordisch heißen die Götter in der Form, die in Skandinavien und Island überliefert ist.

Weil die ausführlichen Quellen fast alle aus dem Norden kommen, ist das, was man in Deutschland germanische Mythologie nennt, zum größten Teil nordische Mythologie. Das Institut für Skandinavistik der Universität Frankfurt nennt die deutsche Bezeichnung deshalb meist irreführend. Mit Ausnahme des Nibelungenstoffs seien die Götter- und Heldengeschichten zunächst nur in Nordeuropa greifbar.

Dass es um dieselben Götter geht, zeigen die Namen. Der nordische Odin heißt in den Merseburger Zaubersprüchen Wodan, und Frigg heißt dort Frija. Thor steckt als Donar im deutschen Donnerstag. Ob man sich im Süden auch dieselben Geschichten über sie erzählt hat, lässt sich kaum sagen, weil davon fast nichts aufgeschrieben worden ist. Die Namen in dieser Liste folgen deshalb meist der nordischen Form. Nicht zu verwechseln sind die germanischen Götter mit den keltischen Göttern. Schon Caesar hat festgehalten, dass die Germanen andere Sitten und keine Druiden hatten.

Asen und Wanen

Die meisten Götter gehören zu den Asen, deren Heimat Asgard heißt. Ein zweites Göttergeschlecht sind die Wanen. Die Edda verbindet ihre Götter vor allem mit Fruchtbarkeit, Wohlstand und Frieden. Laut der Edda haben die Wanen den Gott Njörd als Geisel zu den Asen gegeben und im Tausch einen Asen zu sich geholt. So sind Njörd und seine Kinder Freyr und Freyja zu den Asen gekommen.

Asen

Das größere Göttergeschlecht mit Odin an der Spitze, dazu gehören etwa Thor, Tyr, Baldr und Heimdall. Ihre Heimat heißt Asgard.

Wanen

Das zweite Göttergeschlecht, aus dem Njörd, Freyr und Freyja stammen. Njörd ist als Geisel zu den Asen gekommen.

Die wichtigsten Götter

Die meisten der folgenden Götter gehören zu den Asen. Njörd, Freyr und Freyja stammen von den Wanen.

Odin, Thor, Baldr, Heimdall, Sif, Freyr, Frigg, Njörd, Hel, Loki, Idun und Freyja in einer heutigen Zeichnung (Illustration: GoodStudio / Shutterstock)
Odin, Thor, Baldr, Heimdall, Sif, Freyr, Frigg, Njörd, Hel, Loki, Idun und Freyja in einer heutigen Zeichnung (Illustration: GoodStudio / Shutterstock)

Odin (Wodan)

Odin ist der höchste und älteste der Asen, und alle anderen Götter dienen ihm wie Kinder ihrem Vater. Er heißt deshalb auch Allvater. Für die Krieger, die im Kampf fallen, hat er die Halle Walhall eingerichtet. Um aus dem Brunnen des weisen Mimir trinken zu dürfen, hat er eines seiner Augen als Pfand gegeben. Auf seinen Schultern sitzen die Raben Hugin und Munin, die jeden Morgen über die Welt fliegen und ihm abends berichten, was sie gesehen haben. In Deutschland hieß er Wodan.

Frigg (Frija)

Frigg ist Odins Frau und die vornehmste der Göttinnen. Sie kennt das Schicksal aller Menschen, spricht es aber nicht aus. Ihr Wohnsitz heißt Fensal. In den Merseburger Zaubersprüchen erscheint sie als Frija.

Thor (Donar)

Thor ist der stärkste aller Götter und Menschen. Er fährt in einem Wagen, den zwei Ziegenböcke ziehen. Seine wichtigste Waffe ist der Hammer Mjölnir, den die Riesen fürchten. Dazu besitzt er einen Kraftgürtel, der seine Stärke um die Hälfte steigert, und eiserne Handschuhe, ohne die er den Hammer nicht führen kann. In Deutschland hieß er Donar, und nach ihm ist der Donnerstag benannt.

Tyr

Tyr ist der mutigste unter den Asen und hat Macht über den Sieg im Kampf.

Warum Tyr nur eine Hand hat

Als die Götter den gefährlichen Fenriswolf fesseln wollten, hat der Wolf ein Pfand verlangt. Nur Tyr war bereit, seine Hand in das Maul des Wolfs zu legen. Als der Wolf merkte, dass er nicht mehr freikam, hat er sie ihm abgebissen. Seitdem ist Tyr einhändig.

Baldr (Balder)

Baldr ist Odins zweiter Sohn und der beliebteste unter den Göttern. Er ist so schön, dass ein Leuchten von ihm ausgeht. Frigg hat alle Dinge schwören lassen, ihm nichts zu tun. Nur die Mistel hat sie ausgelassen, weil sie ihr zu jung erschien. Loki hat dem blinden Gott Hödur einen Mistelzweig in die Hand gegeben und ihm gezeigt, wohin er schießen muss. So hat Hödur Baldr getötet. Baldrs Tod gilt als das größte Unglück, das Göttern und Menschen je widerfahren ist.

Loki

Loki ist der Sohn eines Riesen und lebt doch unter den Asen. Er ist schön anzusehen, aber boshaft und wankelmütig. Immer wieder bringt er die Götter in große Not und hilft ihnen dann mit einer List wieder heraus. Mit der Riesin Angrboda hat er drei Kinder gezeugt, den Fenriswolf, die Midgardschlange und Hel. Beim Weltuntergang Ragnarök steht er auf der Seite der Feinde der Götter.

Heimdall

Heimdall ist der Wächter der Götter. Er wohnt an der Regenbogenbrücke Bifröst und bewacht sie gegen die Riesen. Er braucht weniger Schlaf als ein Vogel, sieht bei Tag und Nacht hundert Meilen weit und hört das Gras wachsen. Sein Horn Gjallarhorn ist in allen Welten zu hören.

Njörd

Njörd ist ein Gott der Wanen, der Wind und Meer lenkt. Wer auf See fahren oder jagen will, ruft ihn an, und er kann großen Reichtum schenken. Verheiratet ist er mit der Riesin Skadi, die in den Bergen leben wollte, während er ans Meer gehörte.

Freyr

Freyr ist Njörds Sohn und laut der Edda der berühmteste der Götter. Er herrscht über Regen, Sonnenschein und die Früchte der Erde. Man ruft ihn um gute Ernten und um Frieden an.

Freyja

Freyja ist Njörds Tochter und die berühmteste der Göttinnen. Sie gilt als Herrin der Wanen. Von den im Kampf Gefallenen bekommt sie die eine Hälfte und Odin die andere. Weil sie ihren Mann Od suchte, der auf weite Reisen gegangen war, hat sie goldene Tränen geweint. Ihr Wagen wird von Katzen gezogen.

Idun und Bragi

Bragi ist der Gott der Dichtkunst und der Beredsamkeit. Seine Frau Idun bewahrt in einem Kästchen die Äpfel, von denen die Götter essen, wenn sie alt werden. Dann werden sie wieder jung.

Hel

Hel ist eine Tochter Lokis. Odin hat sie in die Unterwelt Niflheim geschickt und ihr die Macht über die Toten gegeben, die an Krankheit oder Alter gestorben sind. Ihr Körper ist zur Hälfte schwarzblau und zur Hälfte fleischfarben.

Weitere Götter

Zu den Asen zählen noch einige Götter, über die die Edda nur wenig erzählt:

  • Hödur, der blinde Gott, der Baldr getötet hat
  • Vidar, der schweigsame Gott, fast so stark wie Thor
  • Vali, ein Sohn Odins, kühn im Kampf und ein guter Schütze
  • Ull, Sohn von Thors Frau Sif, ein Meister mit Pfeil und Bogen und auf Skiern
  • Forseti, Baldrs Sohn, der Streit schlichtet und Recht spricht

Nerthus

Eine Göttin, die nur Tacitus kennt

Nerthus kennen wir nicht aus der Edda, sondern nur aus der "Germania" des Tacitus. Er beschreibt sie als Mutter Erde, die mehrere Stämme gemeinsam verehrt haben. In einem heiligen Hain auf einer Insel stand ihr Wagen, den Kühe zogen, wenn die Göttin zu den Menschen kam. Solange sie unterwegs war, ruhten die Waffen.

Götter in unseren Wochentagen

Die Germanen haben die römischen Namen der Wochentage übernommen und die römischen Götter dabei durch eigene ersetzt. Einige davon sind bis heute erhalten.

WochentagGermanische GottheitRömisches Vorbild
Dienstagvermutlich ein germanischer Kriegsgott, die Deutung ist unsicherMars
DonnerstagDonar (Thor)Jupiter
FreitagFrija (Frigg)Venus
englisch WednesdayWodan (Odin)Mercurius
Irrtum: Der Freitag ist nach Freyja benannt

Nicht nach Freyja, sondern nach Frija, die im Norden Frigg heißt und Odins Frau ist. Die ähnlichen Namen führen hier leicht in die Irre. Die Germanen haben mit Frija die römische Venus ersetzt, nach der der Tag lateinisch "Veneris dies" hieß.

Im Deutschen hat sich beim Mittwoch der christliche Name durchgesetzt, der einfach die Mitte der Woche meint. Im Englischen, Niederländischen und Schwedischen trägt der Tag aber noch Wodans Namen.

Was hast Du gelernt?
  1. Warum kennen wir die germanischen Götter meist unter ihren nordischen Namen?

  2. Wie heißen die beiden Göttergeschlechter der germanischen Mythologie?

  3. Was hat Odin für einen Trunk aus Mimirs Brunnen gegeben?

  4. Wie ist Baldr ums Leben gekommen?

  5. Nach welcher Göttin ist der Freitag benannt?

Quellen 11
  1. Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Skandinavistik, Edda-Forschung · abgerufen 25.09.2026
  2. Snorri Sturluson, Gylfaginning, Kapitel 15 bis 36 und 49, in: The Prose Edda, übersetzt von Arthur Gilchrist Brodeur, 1916 (Wikisource) · Stand 01.01.1916, abgerufen 25.09.2026
  3. Snorrastofa, Snorri Sturluson · abgerufen 25.09.2026
  4. Árni Magnússon Institut, Codex Regius of the Poetic Edda (GKS 2365 4to) · abgerufen 25.09.2026
  5. Tacitus, De origine et situ Germanorum (Germania), Kapitel 9 und 40, lateinischer Text bei Wikisource · abgerufen 25.09.2026
  6. Merseburger Zaubersprüche, Merseburg, Domkapitel, Codex 136, fol. 85r, 9. oder 10. Jahrhundert (Wikisource) · abgerufen 25.09.2026
  7. DWDS, Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Donnerstag · abgerufen 25.09.2026
  8. DWDS, Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Freitag · abgerufen 25.09.2026
  9. DWDS, Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Dienstag · abgerufen 25.09.2026
  10. DWDS, Etymologie nach Wolfgang Pfeifer, Mittwoch · abgerufen 25.09.2026
  11. Caesar, De bello Gallico, Buch 6, Kapitel 17 und 21, lateinischer Text (The Latin Library) · abgerufen 25.09.2026
Diese Seite zitieren
Für Referat und Hausarbeit

quickpedia.de: "Germanische und nordische Götter: Liste mit Namen und Beschreibungen". Stand: 29.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/geschichte/mythologie/germanische-goetter (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).

Wissenschaftlich (an APA angelehnt)

quickpedia.de. (2026, 29. September). Germanische und nordische Götter: Liste mit Namen und Beschreibungen. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/geschichte/mythologie/germanische-goetter

Fehler melden / Ergänzung vorschlagen

Danke, wir sehen uns das an.

Was möchtest Du einreichen?

Hinweise zu dieser Funktion findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Artikel als PDF herunterladen