Daguerreotypie - Was ist das?

Die Daguerreotypie ist das erste Fotoverfahren, das kommerziell genutzt werden konnte. Das Bild entsteht direkt auf einer spiegelblank polierten, versilberten Kupferplatte und ist immer ein seitenverkehrtes Einzelstück. Louis Daguerre hat es 1839 veröffentlicht, und der französische Staat hat es der Welt zur freien Nutzung überlassen. Bis in die 1850er-Jahre war es das wichtigste Fotoverfahren, dann haben es billigere Verfahren verdrängt.
Die Daguerreotypie ist das erste Fotoverfahren, das kommerziell genutzt werden konnte. Das Bild entsteht ohne Negativ direkt auf einer spiegelblank polierten, versilberten Kupferplatte. Jede Aufnahme ist deshalb ein Einzelstück. Benannt ist das Verfahren nach dem französischen Maler Louis Daguerre, der es 1839 veröffentlicht hat.
Wer eine Daguerreotypie in der Hand hält, erlebt eine Überraschung. Je nachdem, wie man die Platte gegen das Licht dreht, erscheint das Bild mal positiv und mal als Negativ. Das liegt daran, dass die dunklen Stellen des Bildes aus blankem Silber bestehen. Spiegelt sich darin etwas Helles, kippt das Bild.
Die Geschichte der Daguerreotypie
- 1826 oder 1827Nicéphore Niépce macht das erste Foto, noch mit einem anderen Verfahren.
- 1829Daguerre und Niépce beginnen ihre Zusammenarbeit.
- 1837 oder 1838Daguerre fotografiert den Boulevard du Temple.
- 19. August 1839François Arago stellt das Verfahren in Paris vor.
- 1840Das Petzval-Objektiv macht Porträts möglich.
- 1851Louis Daguerre stirbt am 10. Juli.
- 1856Neue Verfahren haben die Daguerreotypie fast vollständig verdrängt.
Wie eine Daguerreotypie entsteht
Am Anfang stand viel Handarbeit. Der Fotograf hat die versilberte Kupferplatte poliert, bis sie spiegelte, und sie dann im Dunkeln Joddampf ausgesetzt. Dabei bildete sich auf dem Silber eine dünne Schicht Silberiodid, die lichtempfindlich war. Später kamen Brom- und Chlordämpfe dazu, die die Platte noch empfindlicher machten. Lange lagern ließ sie sich nicht. Sie musste bald in die Kamera.
Belichtet wurde, indem der Fotograf den Deckel vom Objektiv nahm und nach der gewünschten Zeit wieder aufsetzte. In der Anfangszeit dauerte das in praller Sonne zehn bis fünfzehn Minuten. Auf der Platte war danach noch nichts zu sehen. Sichtbar wurde das Bild erst in einem Kasten mit erhitztem Quecksilber, dessen Dämpfe sich als feine Tröpfchen an den belichteten Stellen absetzten. Eine Salzlösung, später eine Thiosulfat- oder Zyankalilösung, hat die übrigen lichtempfindlichen Silbersalze entfernt und das Bild haltbar gemacht.
Die fertige Oberfläche war so empfindlich, dass schon eine Berührung sie beschädigen konnte. Deshalb kam die Platte hinter Glas, luftdicht verklebt, und dann in ein kleines Etui oder einen Rahmen. Für die Fotografen war die Arbeit gefährlich. Quecksilberdampf und Zyankali sind hochgiftig, und viele Daguerreotypisten sind früh gestorben.
Seitenverkehrt und einzigartig
Eine Daguerreotypie zeigt ihr Motiv seitenverkehrt, so wie ein Spiegel. Das hat man in Kauf genommen und bei Porträts sogar geschätzt, denn die Menschen kannten ihr Gesicht ohnehin nur aus dem Spiegel. Vervielfältigen ließ sich eine Daguerreotypie nicht ohne Weiteres. Auch das hat ihren Wert in den Augen der Zeitgenossen eher erhöht.
Ob eine Daguerreotypie seitenverkehrt ist, lässt sich an der Kleidung ablesen. Männerkleidung wird links über rechts geknöpft, Frauenkleidung umgekehrt. Sitzt die Knopfleiste auf der falschen Seite, zeigt das Bild die Person gespiegelt.
Die Straße, auf der niemand zu sehen ist
Das bekannteste Bild dieser Technik hat Daguerre selbst aufgenommen, 1837 oder 1838 aus dem Fenster des Hauses in Paris, in dem er lebte und arbeitete. Es zeigt den Boulevard du Temple, damals eine belebte Straße voller Kutschen und Fußgänger. Auf dem Bild aber wirkt sie wie ausgestorben. Die Belichtung dauerte zehn bis zwölf Minuten, und alles, was sich bewegte, hat keine Spur hinterlassen.
Nur unten links ist eine Gestalt zu erkennen. Ein Mann hat sich die Schuhe putzen lassen und stand dafür lange genug still. Er und der Schuhputzer gelten als die ersten Menschen, die je auf einem Foto festgehalten worden sind.
Ein Geschenk an die Welt
Daguerre hat das Verfahren nicht wie üblich patentieren lassen. Auf Betreiben des Physikers François Arago hat der französische Staat die Rechte gekauft und Daguerre dafür eine lebenslange Rente gezahlt. Eine zweite Rente bekam Isidore Niépce, der Sohn von Daguerres früherem Partner Nicéphore Niépce. Am 19. August 1839 hat Arago das Verfahren in einer gemeinsamen Sitzung der Pariser Akademien der Wissenschaften und der schönen Künste vorgestellt.
Danach durfte jeder die Daguerreotypie frei und kostenlos nutzen. Ausgenommen war nur England, wo wenige Tage zuvor ein Patent darauf angemeldet worden war. Innerhalb weniger Monate hat sich die Fotografie so über die ganze Welt verbreitet.
Das erste Foto ist älter. Nicéphore Niépce hat schon 1826 oder 1827 ein Kamerabild festgehalten, mit einem eigenen Verfahren, der Heliografie. Die Belichtung dauerte damals aber viele Stunden. Daguerre hat ab 1829 mit Niépce zusammengearbeitet, aber sein eigenes Verfahren beruht auf ganz anderen Grundlagen. Erst mit der Daguerreotypie ließ sich die Fotografie praktisch nutzen.
Vom Porträt zum Sammlerstück
In den ersten Jahren hat man vor allem Gebäude fotografiert, denn die langen Belichtungszeiten ließen kaum etwas anderes zu. Das änderte sich schnell. Schon 1840 hat der Wiener Professor Josef Petzval ein Porträtobjektiv berechnet, das 16-mal so lichtstark war wie das der ersten Kameras. Mit besseren Objektiven und empfindlicheren Platten sank die Belichtungszeit auf weniger als eine halbe Minute, und damit konnte man Menschen fotografieren.
Kleine Porträts wurden der große Erfolg der Daguerreotypie. Sie waren billiger als die gemalten Miniaturen, die bis dahin üblich waren, und viel naturgetreuer. Fotografen haben aber auch Stillleben, Gemälde und Reisebilder aufgenommen. In Hamburg hat Hermann Biow 1842 die Ruinen nach dem Großen Brand fotografiert. Diese Bilder gelten als Anfang des Fotojournalismus in Deutschland.
In Europa blieb die Daguerreotypie bis in die 1850er-Jahre das wichtigste Fotoverfahren, in den USA noch etwas länger. Dann haben billigere Verfahren sie verdrängt, vor allem das Kollodiumverfahren mit Negativen, von denen sich Papierabzüge machen ließen. Seit etwa 1970 sind Daguerreotypien begehrte Sammelobjekte. 2010 ist eine der frühen Kameras in Wien für 732.000 Euro einschließlich Aufgeld versteigert worden, damals die teuerste Kamera der Welt.
Worauf entsteht das Bild bei einer Daguerreotypie?
Warum ist auf dem Bild vom Boulevard du Temple kaum jemand zu sehen?
Warum konnte jeder die Daguerreotypie ab 1839 kostenlos nutzen?
Womit wurde das zunächst unsichtbare Bild sichtbar gemacht?
Warum ist eine Daguerreotypie immer ein Einzelstück?
Quellen 3
- Wikipedia, Daguerreotypie · abgerufen 28.09.2026
- Wikipedia (englisch), Daguerreotype · abgerufen 28.09.2026
- Wikipedia, Louis Daguerre · abgerufen 28.09.2026
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quickpedia.de: "Daguerreotypie: Wie das erste Fotoverfahren funktionierte". Stand: 29.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/geschichte/daguerreotypie (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 29. September). Daguerreotypie: Wie das erste Fotoverfahren funktionierte. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/geschichte/daguerreotypie
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Danke, wir sehen uns das an.