Buß- und Bettag

Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Gedenktag am Mittwoch vor dem Totensonntag, an dem die Kirche zur Umkehr einlädt. Gesetzlicher Feiertag ist er seit 1995 nur noch in Sachsen. Alle anderen Länder haben ihn gestrichen, um die Pflegeversicherung zu finanzieren, und Sachsen bezahlt seinen freien Tag mit einem höheren Beitrag der Arbeitnehmer.
Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Gedenktag, an dem die Kirche zur Besinnung und Umkehr einlädt, und er fällt immer auf den Mittwoch vor dem Totensonntag, also zwischen dem 16. und 22. November. Gesetzlicher Feiertag ist er seit 1995 nur noch in Sachsen. In allen anderen Bundesländern ist er ein normaler Arbeitstag, obwohl er bis 1994 überall frei war. Abgeschafft wurde er nicht aus religiösen Gründen, sondern um die Pflegeversicherung zu finanzieren, und Sachsen zahlt für seinen Feiertag bis heute einen Preis.
"Buße" klingt nach Strafe, gemeint ist aber etwas anderes. Im kirchlichen Sinn heißt Buße Umkehr, das Innehalten und die Frage, was man anders machen sollte, als Einzelner wie als Gesellschaft. Deshalb hatte der Tag in seiner Geschichte oft einen politischen Klang. Bußtage wurden in Notzeiten angesetzt, als Tage, an denen ein ganzes Land in sich gehen sollte.
Woher der Tag kommt
Die Idee ist so alt wie die Reformation. 1532 hat die Stadt Straßburg auf kaiserliche Anordnung einen ersten evangelischen Bettag gehalten, wegen der Bedrohung durch die Türken, und in den Jahrhunderten danach hat jedes evangelische Land seine eigenen Bußtage gehabt, zu eigenen Terminen. 1852 und noch einmal 1878 hat die Eisenacher Kirchenkonferenz vorgeschlagen, das auf einen gemeinsamen Termin zu bündeln, den Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres. Preußen hat das 1893 gesetzlich gemacht, und 1934 galt der Tag im ganzen Deutschen Reich.
Von vielen Bußtagen zu einem, und von sechzehn Ländern zu einem
- 1532Straßburg hält den ersten evangelischen Bußtag.
- 1852Die Eisenacher Kirchenkonferenz schlägt einen gemeinsamen Termin für alle Landeskirchen vor.
- 1893Preußen macht den Buß- und Bettag zum gesetzlichen Feiertag.
- 1934Der Tag gilt im ganzen Deutschen Reich.
- 1990Mit der Wiedervereinigung wird er auch in den neuen Ländern Feiertag.
- 1995Alle Länder außer Sachsen streichen ihn, um die neue Pflegeversicherung zu finanzieren.
Warum er abgeschafft wurde
1994 hat der Bundestag die Pflegeversicherung beschlossen, eine neue Sozialversicherung, deren Beiträge sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber teilen. Die Arbeitgeber haben einen Ausgleich verlangt, weil sie durch den neuen Beitrag mehr zahlen mussten. Der Kompromiss war ein Feiertag weniger. Ein zusätzlicher Arbeitstag im Jahr sollte die Mehrkosten der Arbeitgeber decken, und die Wahl fiel auf den Buß- und Bettag. Ab 1995 war er weg.
Sachsen hat nicht mitgemacht und den Feiertag behalten. Dafür zahlen die Arbeitnehmer dort einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als im Rest des Landes, 0,5 Prozentpunkte mehr, und die Arbeitgeber entsprechend weniger. Wer in Sachsen arbeitet, bezahlt seinen freien Mittwoch im November also jeden Monat über die Gehaltsabrechnung.
Nicht ganz. Er ist überall ein kirchlicher Gedenktag geblieben, und einige Länder haben Reste bewahrt. In Bayern haben Schüler frei. Lehrkräfte haben dagegen nur unterrichtsfrei und oft einen pädagogischen Tag. In Berlin dürfen evangelische Schüler dem Unterricht fernbleiben. In den meisten Ländern können sich Arbeitnehmer außerdem aus religiösen Gründen freinehmen, ohne Urlaub zu nehmen, aber auch ohne Lohn. Ein freier Tag mit Lohn ist es außerhalb Sachsens aber nirgends.
Wann der Buß- und Bettag ist
Der Termin hängt am Kirchenjahr, das mit dem ersten Advent beginnt. Der Buß- und Bettag ist der Mittwoch vor dem Totensonntag, dem letzten Sonntag vor dem ersten Advent, also elf Tage vor dem ersten Advent. Er ist immer ein Mittwoch.
| Jahr | Buß- und Bettag |
|---|---|
| 2026 | Mittwoch, 18. November |
| 2027 | Mittwoch, 17. November |
| 2028 | Mittwoch, 22. November |
| 2029 | Mittwoch, 21. November |
In Sachsen steht der Tag in der Jahresübersicht (2026, 2027). Im Ländervergleich (2026, 2027) ist er die einzige Zeile mit einem einzigen Land. Sachsen hat damit innerhalb von drei Wochen zwei Feiertage, den Reformationstag am 31. Oktober und den Buß- und Bettag im November.
Wie der Tag begangen wird
In den evangelischen Kirchen gibt es am Buß- und Bettag Gottesdienste. Anders als Allerheiligen bei den Katholiken hat der Tag keine Friedhofsbräuche. Das Gedenken an die Toten hat seinen Platz am Totensonntag vier Tage später.
Ganz aufgegeben ist der alte Feiertag nicht. Nach der Abschaffung hat etwa der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber 1995 vorgeschlagen, den Arbeitgeberanteil anders auszugleichen. In Schleswig-Holstein ist 1997 sogar per Volksentscheid über seine Rückkehr abgestimmt worden.
Warum ist der Buß- und Bettag seit 1995 fast überall kein Feiertag mehr?
Was zahlt Sachsen für seinen Feiertag?
Wie berechnet sich der Termin?
Quellen 3
- Wikipedia, Buß- und Bettag · abgerufen 29.09.2026
- Gesetz über Sonn- und Feiertage im Freistaat Sachsen, § 1 · abgerufen 29.09.2026
- Bayerisches Gesetz über den Schutz der Sonn- und Feiertage, Artikel 4 · abgerufen 29.09.2026
Diese Seite zitieren
quickpedia.de: "Buß- und Bettag - Bedeutung, Termine und warum nur Sachsen frei hat". Stand: 29.09.2026. Online unter: https://quickpedia.de/feiertage/buss-und-bettag (abgerufen am [Datum Deines Abrufs]).
quickpedia.de. (2026, 29. September). Buß- und Bettag - Bedeutung, Termine und warum nur Sachsen frei hat. Abgerufen am [Datum Deines Abrufs], von https://quickpedia.de/feiertage/buss-und-bettag
Fehler melden / Ergänzung vorschlagen
Danke, wir sehen uns das an.